Wenn man schon in Berlin und auch noch von Tattoos begeistert ist, möchte man sich vielleicht auch eine schöne Erinnerung aus der Stadt mitbringen. So was in der Art dachte ich mir auch und weil mein Freund begeistert von der Serie „Berlin Tag und Nacht“ war, wollten wir auch einen Besuch im berühmten „Classic Tattoo Store“ machen. Also ging es los: Auf der Website des Ladens gab es folgendes Angebot: „Walk-In-Service“. Keine Lust zu warten oder nur kurz in der Stadt und Lust, sich tätowieren zu lassen? Was in anderen Studios oftmals zeitlich nicht möglich ist, macht Classic Tattoo Berlin möglich! In unserem Shop in der Dircksenstraße 88, könnt ihr euch von Montag bis Samstag OHNE Termin euer neues Tattoo stechen lassen! Das Einzige, was ihr dazu tun müsst, ist vorbeizukommen und euch um 9:30 Uhr in unsere Walk-In-Liste eintragen lassen. Also, wer zuerst kommt, wird auch zuerst bemalt!“

Hört sich ja erstmal gut an. Die Frage ist nur, wieviel davon stimmt auch wirklich. Am nächsten Tag gegen 10 Uhr sind wir beim Studio angekommen. Ich wollte zusätzlich zu meinem Tattoo, das ich schon auf meinem Bein habe, ein Aquarell-Motiv. Mein Freund wollte einen Schriftzug mit Schattierungen in Handflächengröße und beide wollten wir zu Patrick, den Star von „Berlin Tag und Nacht“, der gerade auf Aquarell- und Skizzenstil spezialisiert ist. Das Erste, was wir gesehen haben, als wir in den Laden reingekommen sind, war eine kleine Schlange von 5-6 Leuten. So hatten wir etwas Zeit, uns den Shop anzuschauen und auch die Empfangsdame und Patrick, der schon da war, zu beobachten. Ich war wirklich sehr erstaunt über die Unfreundlichkeit und den Wunsch von beiden, die Kundin, die gerade dran war, los zu werden. Ich habe das zwar erstmal nicht so tragisch gesehen und dachte, dass es vielleicht einen Grund dafür gibt, aber leider wurde ich später vom Gegenteil überzeugt. Aber alles der Reihe nach. Nach einiger Zeit waren wir endlich dran. Erstmal wollte ich für mein Aquarell-Tattoo alles klären. Besagte Empfangsdame hat sich dann gleich sehr negativ über meine beiden Tattoos auf meinem Bein ausgelassen, dass sie gar nicht zusammenpassen würden und so weiter. Egal ob du Tätowierer oder Empfangsdame bist, es ist hochgradig unprofessionell, die Arbeit eines anderen Tätowierer so ohne Grund und Verständnis zusammenzuscheißen. Das, was ich da gehört habe, könnte ich wirklich nicht als Kritik bezeichnen. Man könnte halt etwas vorschlagen, um es zu verbessern, aber nichts weiter. Patrick hat nur einen kurzen Blick auf mein Bein geworfen und auf weitere Aussagen ihrerseits mit ‚mal schauen, er hätte alles gesehen‘ geantwortet. Zumindest hat er, im Vergleich zu ihr, gleich verstanden, was ich will. Natürlich konnte von einem Termin am selben Tag keine Rede sein. Die Aussage auf deren Website sollte halt nur erstmal Leute anlocken. Einen Termin für den selben Tag kannst du kriegen, wenn du ein Tattoo in der Größe einer 2-Euro-Münze haben willst und sogar da kannst du im unter Umständen bis abends warten. Mir wurde ein Termin im Februar angeboten, wir hatten übrigens gerade November. Dann ging es weiter und mein Freund war dran. Während dieser Besprechung ist Patrik zur Empfangsdame gekommen, um ihr irgendeine private WhatsApp-Nachricht zu zeigen. Uns hat er dabei völlig ignoriert. Eine Sache, die mich wirklich absolut genervt hat – so viel zu ‚gutem‘ Service bzw. Star-Allüren … Bei der Auswahl der Schriften fürs Tattoo hat die Dame, wie sich schnell heraus gestellt hat, den Wunsch nach Schattierungen um das Zitat herum gleich mal völlig ignoriert. Ebenso wurde dem Wunsch meines Freundes, die Tätowierung von Patrick machen zu lassen, sofort eine unhöfliche Absage erteilt. Den Vorschlag, das von einem anderen Tätowierer, Dani, der das besser kann, machen zu lassen, mussten wir halt so glauben. Wir hatten uns gleich schlau gemacht, nur um zu sehen, dass die Spezialisierungen von Dani Sketchy, Aquarell, Oldschool und Blackwork sind, aber in seiner Gallery keine Tattoos mit Schriftzügen zu sehen waren. Wir haben aber erstmal mitgemacht und so ging weiter zum Termin, den wir, oh Wunder, dann doch Anfang Januar bekommen haben. Der Preis für den Schriftzug wurde mit 300 € angesetzt und es zeigte sich nochmals deutlich, dass Zuhören nicht zu den Stärken dieser Frau zählt. Obwohl Schattierungen wiederholt angesprochen wurden, hat sie diese komplett überhört und versuchte uns dann ziemlich aggressiv zu erklären, dass man das sagen sollen. Im Endeffekt ist der mögliche Preis dann sogar auf 500 € gestiegen. Natürlich mussten wir für den Termin eine Anzahlung machen, aber das ist generell üblich und schon ok. Ob wir dieses Experiment aber wirklich bis zum Ende führen werden, bezweifle ich sehr. Auf jeden Fall haben wir noch genug Zeit, um abzusagen und unser Geld zurück zu kriegen. Für mich persönlich war dieser Besuch eine große Enttäuschung. Die einzige wirklich nette und freundliche Person, die wir in diesem Laden erlebt haben, war Tätowiererin Sara. Ansonsten ist dieses Studio ein gutes Beispiel dafür, was man in dieser Brache nicht machen darf – unhöflich, unaufmerksam, oberflächlich und mit Star-Allüren. So viel zum berühmten „Berlin Tag und Nacht“ Tattoo Studio. Ob man das alles ertragen sollte, um von einem Star-Tätowierer in einem Star-Studio tätowiert zu werden? Ich sage: „NEIN!“ Einem solchen Tätowierer werde ich meinen Körper nicht anvertrauen. Das muss aber jeder für sich selber entscheiden …

Studio: http://www.classictattooberlin.de/laeden/dircksentrasse-88.html

FB: https://www.facebook.com/classictattooberlin/

Foto & Text © by Daria Tessa