Um es gleich vorweg zu nehmen: Als Pressefotograf blieb einem auch diesmal wieder der Blick auf die allseits beliebte Mickey Mouse verwehrt. Und doch wird „Disney in Concert“ mit seiner „Magic Moments“-Tour in der Mannheimer SAP Arena auch diesmal wieder für eine ganz besondere Atmosphäre gesorgt haben. Und das hat nicht nur mit der zeitlosen Qualität der Disney-Filme zu tun, die seit über acht Jahrzehnten weltweit strahlende Kinderaugen garantieren: Die Organisatoren hatten auf der Bühne auch für eine opulente Stardichte gesorgt, die ihr Können mit großartiger Stimmpracht demonstrierten.

Moderator Jan Köppen hatte das Hollywood Sound Orchestra samt Dirigent Heinz Walter Florin kaum angekündigt, da sorgte bereits „Der Froschkönig“ mit Gil Ofarim und Cassandra Steen für erhebende Momente. Doch auch die große Liebe blieb nicht außen vor: Sabrina Weckerlin und Anton Zetterholm zeigten sich zu den flüsternden Orchesterklängen als unglaublich einfühlsame Stimmen, die „Die Schöne und das Biest“ zu einem herrlichen Liebesmärchen erhoben, das in Erinnerung bleiben sollte. Besonders verzaubernd gestaltete sich die Tatsache, dass das große Sinfonieorchester nicht nur einzelne Stücke der großen Disney-Klassiker spielte, sondern in Suiten arrangierte Kompilationen für sich sprechen ließ – und bisweilen sogar zu einem Mashup zwischen Winnie Pooh und Schneewittchen ausholte, um eindrucksvoll zu präsentieren, wie weitläufig die Welt der Disney-Filme mittlerweile tatsächlich geworden ist.

Dabei haben die Artisten des Abends einen entscheidenden Vorteil: Beweisen müssen sie gar nichts, denn Rang und Namen der Filmschmiede, die Walt Disney einst mit handgefertigten Zeichnungen öffnete, haben sich längst auf dem ganzen Globus in Kinosäle und Wohnzimmer herumgesprochen – und stehen in ihrer Branche fortwährend konkurrenzlos an der Spitze. Diese organische Kraft ist für Sänger und Musiker nicht nur ein Motivationsschub selten gekannter Souveranität: Er ist eine Inspiration. Denn vollkommen gleich, ob nun Arielle durch die Weltmeere schwimmt, um ein Mensch zu werden, der grummlige alte Herr in „Oben“ zum riesigen Bällebad in der Arena nicht schlecht staunt, als sein Haus wirklich abhebt, oder der „König der Löwen“ sich triumphal Gehör verschafft: Von „Vaiana“ über „Rapunzel“ bis hin zur „Eiskönigin – Völlig Unverfroren“ erleben 6.000 Fans in der SAP Arena über gute zwei Stunden einen Abend, der zum Bad in Erinnerungen wird, von denen man gar nicht mehr ablassen will. Da scheint Wiederholung Pflicht – für die Veranstalter, aber auch für das Publikum, das Orchester und Solisten am Ende hochverdient und mit stehenden Ovationen Tribut zollt.

Text © by Markus Mertens / Fotos © by Helmut Dell & Markus Mertens

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