JODI PICOULT Warum heute noch über Rassismus schreiben? 

Jodi Picoult: 

Warum heute noch über Rassismus schreiben? 

Ich fragte mich, was mir das Recht gab, über eine Erfahrung zu schreiben, die ich nicht selbst gemacht hatte. […] Jahrelang hatte ich meine Hausaufgaben gemacht und recherchiert und dabei intensive persönliche Interviews geführt, um all jenen Menschen, die nicht so waren wie ich, eine Stimme zu geben: Männern, Teenagern, Selbstmordgefährdeten, misshandelten Frauen, Vergewaltigungsopfern. Meine Empörung und der Wunsch, diese Einsichten bekannt zu machen, gaben den Anstoß, sie niederzuschreiben, um all jenen, die diese Erfahrungen nicht gemacht hatten, die Augen zu öffnen. Warum sollte dies anders sein, wenn ich über eine farbige Person schrieb?  Weil Rassenzugehörigkeit etwas anderes ist. Rassismus etwas anderes ist. Beides ist befrachtet, und es lässt sich nur schwer darüber reden, weshalb wir es häufig gar nicht erst tun.  Dann las ich in der Zeitung von einer afroamerikanischen Krankenschwester in Flint, Michigan. Sie war seit über zwanzig Jahren als Säuglingsschwester tätig, und dann verlangte eines Tages der Vater eines Neugeborenen, ihre Vorgesetzte zu sprechen. Er bestand darauf, dass sein Kind weder von dieser Krankenschwester noch von anderen, die aussahen wie sie, angefasst wurde. Wie sich herausstellte, war er ein Rechtsextremist. Die Vorgesetzte legte das Patientenersuchen in der Akte ab, aber das afroamerikanische Personal tat sich zusammen, klagte wegen Diskriminierung und gewann. Das stimmte mich nachdenklich, und ich begann, eine Geschichte zu erfinden.

Für mich stand fest, dass ich aus dem Blickwinkel der schwarzen Säuglingsschwester, des Skinhead-Vaters und einer Pflichtverteidigerin schreiben wollte – einer Frau, die wie ich und viele meiner Leserinnen eine weiße Frau mit besten Absichten war und sich niemals als Rassistin verstehen würde. Plötzlich wusste ich, dass ich diesen Roman zu Ende führen könnte und würde.

Ich würde ihn nicht schreiben, um Farbigen zu erzählen, wie ihr Leben aussah. Ich schrieb für meine eigene Gemeinschaft – weiße Menschen –, die kein Problem damit haben, auf einen Neonazi-Skinhead zu zeigen und zu sagen, dass er Rassist sei … den eigenen Rassismus aber nicht erkennen. 

 

 

Kleine grosse Schritte von Jodi Picoult

 

Zum Buch

Ich greife nach der Akte des Babys. Als ich sie aufschlage, leuchtet mir ein knallrosa Post-it entgegen:

KEINE BEHANDLUNG DURCH

AFROAMERIKANISCHES PERSONAL!

Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern, rechtsradikale Mitglieder der Aryan Nation, wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als Ruth einen Moment allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät sie in ein moralisches Dilemma: Muss sie der Anweisung ihres Arbeitgebers Folge leisten? Oder dem Jungen helfen und ihren Job riskieren? Als sie beschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt die Hilfe bereits zu spät – das Baby stirbt. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein …

Eindringlich und bewegend erzählt Jodi Picoult die Geschichte eines einzigen Moments, der alles infrage stellt, eine Geschichte von alltäglichen Vorurteilen, schmerzhaftem Verlust und dem Mut, im Kleinen Großes zu erkämpfen.

JODI PICOULT kommt 

im November 2017 nach Deutschland: 

MÜNCHEN, Literaturhaus

Sonntag, 12. November

17.00 Uhr

Lesung und Gespräch

Moderation: Margarete von Schwarzkopf

BERLIN, Kulturkaufhaus Dussmann

Montag, 13. November

Lesung und Gespräch

Moderation: Margarete von Schwarzkopf

Lesung: Bettina Lamprecht

HAMBURG, Buchhandlung Heymann

Dienstag, 14. November

20.30 Uhr

Lesung und Gespräch

Moderation: Margarete von Schwarzkopf

Lesung: Beate Rysopp

DÜSSELDORF, Mayersche Buchhandlung

Mittwoch, 15. November

Lesung und Gespräch

Moderation: Margarete von Schwarzkopf

Lesung: Elena Uhlig

Bild © Deborah  Feingold

Titel: Kleine große Schritte
Autor: JODI PICOULT
Genre: Roman
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10237-4
Veröffentlicht: 02.10.2017
Preis: 20,00 €
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