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In Flames „I, The Mask“

Mittlerweile ist IN FLAMESmehr eine musikalische Institution in der Welt des Metal als einfach nur eine Band. Seit sie halfen, Schwedens legendären Sound der “Göteborger Schule”vor drei Jahrzehnten mitzubegründen, hat die Band stets einen Bogen um Trends gemacht, um ihren eigenen musikalischen Weg zu gehen. Das wird besonders auf ihrem 13. Studioalbum, »I, The Mask«deutlich, für das sie sich – um ihren Klang noch weiter zu verfeinern – erneut mit dem mehrfachen Grammy-Gewinner und Produzenten Howard Benson(MY CHEMICAL ROMANCE, MOTÖRHEAD) zusammenschlossen, der auch schon »Battles«(2016) produziert hatte. “Ich denke, es ist für IN FLAMES sehr schwer, etwas zu sein, das wir einfach nicht sind und diese Kombination aus Melodie und Aggression wird immer der Kern unserer Identität sein,” erklärt Sänger Anders Fridénwährend ihrer Tour als Vorband für DEEP PURPLEin Mexico. “Wir sind immer offen für neue Ideen und lassen uns von nichts eingrenzen”, fügt Gitarrist Björn Gelottehinzu. “Wir fragen uns einfach selbst, ob wir Spaß daran hätten, das auch live zu spielen… und solange das der Fall ist, spielen andere Dinge nicht wirklich eine Rolle.

Anders als auf früheren Aufnahmen, haben sich Fridén und Gelottedieses Mal drei Wochen vor dem Produktionsbeginn von »I, The Mask«in Los Angeles getroffen und dort den Großteil der Songs zusammengetragen. “Für »Battles« hatte ich das meiste Material schon Zuhause geschrieben gehabt, aber für dieses Album wollten Anders und ich uns einfach in einem Raum zusammensetzen und sehen, was dabei herauskommt,” erklärt Gelotteund erwähnt auch, dass Bensonregelmäßig vorbei kam, um als Filter für die Kreativität der beiden zu fungieren. “Ich glaube, diese Strategie hat sehr gut funktioniert, da viele der Lyrics von der Musik leben, oder Anders manchmal einige wirklich gute Verse gebracht hat, die dann wiederrum meine Riffs inspiriert haben; so entstand letztendlich eine Art Symbiose zwischen uns beim Songwriting.” Von da an haben GitarristNiclas Engelin, Bassist Bryce PaulNewmanund der vorherige Drummer Joe Rickardden Arrangement noch etwas Substanz verliehen, bevor die Band dann zwei Monate im Studio mit den Aufnahmen verbrachte. (»I, The Mask« ist auch das letzte Album, bei dem Rickardam Schlagzeug saß. Er wurde nach den Aufnahmen von Tanner Wayneabgelöst, der auf dem Track ‘(This Is Our) House’zu hören ist.) Abschließend war dann noch Chris Lord-Algefür das Mixing zuständig, der schon mit praktisch jedem großen Namen der Musikindustrie von CHEAP TRICKbis LINKIN PARKgearbeitet hat, während das Mastering von Ted Jensen(PANTERA, EAGLES, GUNS N’ ROSES) übernommen wurde.

Das Ergebnis ist ein Album mit monumentalem Klang, das deutlich macht, warum IN FLAMESals eine der größten Metalbands der Welt gelten. Von der Art, wie akustische Gitarren auf der Power-Ballade ‘Call My Name’Platz für hymnische Riffs machen, über die gnadenlosen Riffs auf ‘Burn’bis hin zu dem synkopischen Groove von ‘I Am Above’ist »I, The Mask«ein vielfältiges Album, auf dem sich die Band musikalisch weit ausstreckt und Musik erschafft, die eingängig klingt und gleichzeitig geradezu zerstörerisch. Als treibende Kraft hinter all dem war es für Fridénwichtig, sich auf dem Album selbst herauszufordern und drei Tage in der Woche sogar Gesangsunterricht zu nehmen, um sein Arsenal an Fähigkeiten zu erweitern. “Ich wollte etwas Neues machen und gesangstechnisch noch einen Schritt weitergehen”  erklärt er. “Ich weiß, wozu ich fähig bin und fühle mich heute sicherer, wenn ich hohe Töne treffen muss und kann meine Stimme auf eine höhere Stimmlage anheben – das ist auch etwas, das ich unbedingt auch ausprobieren wollte.”

Auf textlicher Ebene ist »I, The Mask«in mehrfacher Hinsicht ein gesellschaftlicher Kommentar auf den Zustand unserer Welt, wenn es um Dinge wie Isolation und Einsamkeit geht und die Art, wie die Technologie unser Bedürfnis nach tiefer menschlicher Verbindung gestürzt hat. “Anstatt miteinander verbunden zu sein, spalten wir uns in kleine Gruppen auf und wenn man einmal genauer hinschaut, sind die Leben der meisten Menschen armselig” meint Fridén. “Ich habe darüber nachgedacht und auch darüber, wie wir alle eine Maske mit uns herumtragen und wir in unserem Streben immer besser zu werden, eigentlich eher Rückschritte machen.“ Aber trotz allem ist da noch ein Schimmer von Hoffnung, der auch der Mentalität von »I, The Mask«innewohnt und sich in Songs wie ‘(This Is Our) House’zeigt. “Dieser Song ist eine Kriegserklärung, die sagt ‚Wir müssen uns vereinen, da wir in die falsche Richtung gehen‘”, erklärt er weiter. “Wir haben wahrscheinlich noch etwa zehn Jahre, um die Verschmutzung dieses Planeten zu stoppen. Es ist nicht so, als würden wir im 11. Jahr dann

sterben, aber von da an können wir es nicht mehr rückgängig machen und der Wiederaufbau dieser Welt ist ein sehr langwieriger Prozess, daher glaube ich, dass das eine sehr starke Botschaft in den Lyrics ist, die auch vereint.

Zugegeben, wenn man sich erst »The Jester Race«von 1996 anhört und dann »I, The Mask«, gibt es da schon wesentliche musikalische Unterschiede, aber im Verlauf der veröffentlichten IN FLAMES-Alben kann man deutlich ihre Entwicklung sehen, und auch hören, wie sie es geschafft haben, ihre Relevanz in der Szene zu behalten, sich aber nie auf ihrem Erfolg auszuruhen. “Die Art, wie wir Musik schreiben, ist sehr herausfordernd, aber auch sehr dankbar”, erklärt Gelotteund fügt hinzu, dass im Verlauf, in dem die Band sich musikalisch verbessert hat, sich auch viele klangliche und kreative Möglichkeiten auftaten. “Wir waren nie die Art von Band, die gerne prahlt. Wir möchten eben Spaß daran haben, Musik zu machen, und mit Howard [Benson] zu arbeiten, war eines der ersten Male, dass wir tatsächlich auf jemanden außerhalb der Band gehört haben – und ich glaube, es war auch für ihn das erste Mal, mit einer Band wie uns zu arbeiten”, fügt er hinzu. “Die Instrumentation dieses Albums ist ziemlich straight, aber es gibt so viele Schichten in vielen dieser Songs, in die man richtig eintauchen kann und die dafür sorgen, dass das Album auch nach etlichen Malen Anhören noch spannend bleibt.

Letztendlich sind IN FLAMESeine Live-Band, die es gar nicht erwarten kann, wieder auf Tour zu gehen und ihre neuen Songs mit den Fans zu teilen, egal ob langjährige Anhänger oder Neuzugänge der Fangemeinde. “Ich liebe es, etwas von null aus zu erschaffen und dann um die Welt zu reisen und diese Songs zu spielen und zu sehen, wie die Menschen darauf reagieren.“  Fasst Fridénzusammen. “Es ist sehr schön, zu hören, wie ein bestimmter Song jemanden berührt und dann spricht man mit jemand anderem darüber, den dieser Song auf völlig andere Weise berührt. Die Dynamik zwischen dem Erschaffer und den Fans und was sie dazu beitragen ist ein großartiges Gefühl und ein wichtiger Antrieb für uns. Etwas zu erschaffen und es mit der Welt zu teilen, das ist unsere Bestimmung.

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