Cityguide Rhein Neckar
Berichte & Fotos

Ein Leben für die Kunst des Augenblicks

Wenn es nur 124 Sekunden dauert, bis aus dem Blick auf den Mannheimer Wasserturm ein Sandkunstwerk erhabener Schönheit geworden ist, muss Irina Titova am Werk gewesen sein. Denn am Horizont internationaler Sandkünstler strahlt die 28-Jährige wie ein heller Stern, der bald auch in der Quadratestadt zu erleben sein wird. Nachdem die junge Russin ihr Talent über ein Jahrzehnt hinweg Zug um Zug perfektionierte, reist Titova nun „In 80 Bildern um die Welt“ – und das im wörtlichen Sinne.

Denn die legendäre Geschichte von Jules Verne, die literarisch, aber auch in der traditionellen Filmfassung zeitlos erfolgreich daherkommt, ist für Titova nicht nur eine Parole, sondern gelebtes Prinzip. Nicht weniger als eine „globale Erkundung“ will sie ihrem Publikum in Live- und Eventhaus Capitol bieten – und mit Bildern anmutiger Schönheit dennoch im Gedächtnis bleiben.

Es sind genau diese Kontraste, die eine junge Künstlerpersönlichkeit prägen, die durch das Schicksal zu ihrer Berufung fand. Denn wer der Frau aus Moskau beim Pressebrunch von Semmel Concerts im Mannheimer Radisson Blu-Hotel begegnet, gibt zunächst einer zurückhaltenden Person die Hand. Fern von jedem Darstellungsdrang versteht sie sich auf ihre Kunst grandios, doch die Worte formt sie vorsichtig, gar zaghaft – bis sie langsam, aber sicher Vertrauen fasst, ihren großen Charme aufflammen lässt und aus ihrem spannenden Leben erzählt. Es entsteht ein Dialog von großer Neugier und Faszination gleichermaßen.
Denn hätte Titova während ihres Kunstpädagogik-Studiums nicht mit autistischen Kindern als Kunsttherapeutin gearbeitet und für ein Projekt zufälligerweise den falschen Tisch geliefert bekommen, hätte sie den Weg zu ihrer lyrischen Kunst kaum jemals gefunden. Mit dem Lichttisch zog sie nämlich nicht nur die Kinder in ihren Bann: Auch sie selbst wurde Feuer und Flamme für die poetische Disziplin.

Entschlossen berichtet Titova von Jahren des Kampfes zwischen drängendem Perfektionswillen und bitterer Realität, die sie Medienvertretern bei einem Live-Versuch auch selbst vor Augen führt. Denn so leicht es auch wirken mag, wenn die 28-Jährige den Eiffelturm und selbst das CityGuide-Logo in Sekundenschnelle mit dem feinen vulkanischen Sand nachformt: Wer derartige Kunststücke selbst probiert, spürt rasch, dass das agile Handwerk der Russin absolute Beherrschung benötigt. Zumal von der Wüstenprinzessin bis zum Big Ben jedes der Motive, die das Publikum im Mannheimer Capitol zu sehen bekommt, auch präzise mit musikalischen Einspielungen und der aufgezeichneten Hörfassung von Joachim Kerzel abstimmen muss. Dass die Motive in dieser Geschichte von träumerischem Ernst nach wenigen Augenblicken wieder davonfliegen, gehört dabei mit zum Prinzip: „Wenn ein Bild fertig ist, dann ist es fertig. Jede Korrektur würde ihm seine Authentizität rauben – außerdem ist es die Neugier am nächsten Motiv, die mir jeden Trennungsschmerz verbietet. Ich wollte mit jedenfalls noch nie eines meiner Bilder an die Wand hängen.“ Es sind klare Worte einer Persönlichkeit, die sich einem Leben für die Kunst des Augenblicks verschrieben hat – einer Kunst, die auch in Mannheim sicher ihren ganzen Glanz entfalten wird.

Info: Irina Titova kommt am Freitag, den 29. März um 20 Uhr ins Mannheimer Capitol. Tickets gibt es ab 12,80 Euro an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Text & Fotos © by Markus Mertens für Cityguide Rhein Neckar

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