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Holiday On Ice in Mannheim: „Atlantis“, ein erhabenes Königreich

Holiday on Ice - ATLANTIS 2018 SAP Arena Mannheim Foto © by Boris Korpak Veršffentlichung nur gegen Honorar und Fotografennennung! No Model Release!

Die Mythen über die verschollene Stadt Atlantis füllen Regale von Geschichtsbüchern – und verlieren sich trotz allem in einer Idee, was dieser geheime Ort für Formen und Konturen gehabt haben kann. Während sich Historiker mit den Funden einzelner Relikte begnügen, wird auf dem Eis dieser Tage eine konkrete Vision von dem geschaffen, was einst einmal ein erhabenes Königreich gewesen sein könnte. Eine Show, die die Macher von „Holiday on Ice“ bewusst in großen Lettern auf die Plakatwände der Nation gebannt haben.

Denn Choreograph Robin Cousins vereint mit seinen 37 Eiskünstlern nicht nur all jene Maxime, die dem Traditionsevent seit 74 Jahren über 329 Millionen Besucher bescherte: Er lässt ein in Mannheim nahezu sechs Mal ausverkauftes Haus schwärmen – und das in einer Zeit, in denen jede Bühnenperformances vor lauter immer noch spektakuläreren Effekten oft schon erstickt werden. Das gelingt Cousins zum einen durch geradezu spielerisch wirkende Lichteffekte, die das Eis im Nebel der Gezeiten wie ein verbogenes Paradies anmuten lassen, das mit Kristallen, irrlichternden Reflexionen und aufwendig gemachten Pailletten-Funkelroben zum strahlenden Arkadien werden darf – zum anderen aber auch durch die phänomenalen Läufer. Und damit sind zuerst die Starläufer wie Matti Landgraf gemeint, die mit imposanten vierfachen Sprüngen, waghalsigen Pirouetten und imponierenden Hebefiguren optische Reize anbieten, die selbst der Wettkampfsport kaum formvoller zu präsentieren vermag. Aber auch und gerade die Gruppen-Performances zeigen die Truppe dieser Show als Kollektiv, das bisweilen auch in einer Linie unisono rückwärts läuft und wie ein Rotor über die riesige Eisfläche gleitet.

Eingewoben sind diese Effekte in eine Dramaturgie, die Atlantis nicht zum Ort der prunkvollen Verwerflichkeit stilisiert, in dem sünderisch gefeiert wurde, sondern der Augenblick bis zum verheerenden Brand als natürliches Zusammenspiel aus humoristischer Magie und kraftvoller Freundschaft gezeichnet wird. Die Feuer-Nummern, die das Reich in seinen Untergang befördern, kommen plötzlich und sind selbst für den professionellen Show-Erfahrenen in Rasanz und Volumen ein echter Hingucker. Ebenso wie die Gestalten, die Choreograph Cousins und sein Team durch den Ozean schwirren lässt. Denn kaum hat die Pause geendet, hat das Meer Atlantis auch schon verschluckt und das Eis mit Quallen, Laternenfischen und Meeresraupen versehen, die in ausladenden Kostümen über das Feld manövrieren. Zeitweise geben sich die zwei Stunden in fragilen, aber eben auch wehmütigen Akrobatik-Nummern zwar auch ein wenig zu sehr Trauer und Melancholie über den Untergang der Stadt hin – doch spätestens, wenn sich Pfauen, Flamingos und weitere Fabel-Gestalten wieder in aller glitzernden Pracht durch die Unterwasserwelt bewegen, ist an traurige Gesichter nicht mehr zu denken, im Gegenteil. Der Schlusspunkt gestaltet sich als Finale furioso, das mit wuchtigen Tänzen, exorbitanter Dubstep-Musik und schwindelerregenden Drehungen ein letztes Mal auftrumpft, um zu zeigen: Auch der Ozean kann die Macht dieses großen Reiches nicht schmälern – der Beifall ist Zeuge.

Fotos © by Boris Korpak / Text © by Markus Mertens

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