Es gibt diese magischen Verbindungen zwischen Musikern und ihren Fans, die niemand erklären kann, obwohl sie einem wie Napalm auf der Haut brennen, sobald die persönlichen Ikonen die Bühne betreten. „Judas Priest“ waren in ihrer Unsterblichkeit stets eine Band, die dieses Phänomen verkörperte wie kaum ein zweites Kollektivs des Schwermetalls – denn wann immer ein Bandmitglied von dieser Welt ging, künstlerische Zerissenheiten für Jahre der Abstinenz sorgten, oder Live-Konzerte zur Mangelware verkamen: An ein Ende dieser Jungs war niemals zu denken.

Diese Maxime verrät in ihrer Unbestechlichkeit viel über diesen Abend auf dem Mannheimer Maimarktgelände. Denn dass die Organisatoren des Zeltfestivals Rhein-Neckar die 3800 Karten trotz stolzer Preise ohne Mühe an all jene Veteranen verkaufte, die das Palastzelt mit großer Bestimmtheit füllen, ist eine Sache – wie kompromisslos sie sich dem Gang der kommenden Stunden fügen, etwas bedeutend anderes.

Denn schon die Heavy-Metal-Klassiker von „Megadeth“ aus Los Angeles senden zwar ein Signal in den Zelthimmel, das den Fans von epischen Gesten erstes Futter verabreicht, aber in einem Glutofen genossen werden muss, der den Umsatz an den Getränkeständen ebenso vervielfalt, wie den herunterrinnenden Schweiß der Festivalgäste.

Man könnte jede Flucht aus dem Zelt in die verhältnismäßig kühlen 32 Grad außerhalb bestens verstehen, doch als Rob Halford mit den Seinen in silberner Fransenkutte zum zeitlosen „Black Sabbath“-Opener „War Pigs“ dann endlich auf der Bühne stürmt, um den Zuhörern ein Metal-Brett vom Feinsten zu servieren, ist jedes physische Leid längst vergessen. Da bräuchte es auch keine neumodischen Videosequenzen, die martialisch über die LED-Wand flimmern und für treue Fans doch bestens verzichtbar sind: Wenn die Mischung aus Wut („Bloodstone“), Zerstörung („The Ripper“) und heldenhaftem Kampf („Saints In Hell“) erst in epischen Gitarrensoli auf die willigen Krieger im Geister herabregnet, mag der Schweiß in Bächen fließen: Hier weiß jeder, wofür er vergossen wird.
Tatsächlich ist dieser Abend auch ein Beweis für die noch immer vorhandene Sonderstellung des Heavy Metal in der Welt kommerziell erfolgreicher Musik. Denn obwohl „Judas Priest“ als Kultphänomen der 80er Jahre auch fernab der Szene Welterfolge feierten, schart das Quintett aus Birmingham noch heute eine Anhängerschaft um sich, die sie als „Metal Gods“ verehrt – und bedingungslos auf Händen trägt.

An der musikalischen Qualität freilich ändert das wenig. Ohne Zweifel verdampft der rasante Sound der Briten in der Höhe des Zirkuszelts gerade bei Titeln wie „Sinner“ oder „Painkiller“ immer wieder zu einem Gebräu, das von seiner eigentlichen Wirkungsmacht ein bisschen einbüßt – doch vielleicht ist gerade das ein Zeichen dafür, dass wir es in „Judas Priest“ auch heute noch mit zeitlosen Helden des Umsturzes („Breaking The Law“) zu tun haben, die sich den Konventionen im besten Sinne des Wortes widersetzen, ihren ewigen, willenlosen Höllenschwur damit einlösen – und dafür teuflisch intensiv gefeiert werden.

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Fotos © by Boris Korpak / Text © by Markus Mertens