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Magische Melancholie: „Faun“ faszinieren in Worms

FAUN: MEDIEVAL BALLADS 2017 DasWormser in Worms Foto © by Boris Korpak

Seit über eineinhalb Jahrzehnten touren sie durch die Bundesrepublik – und wirken bei ihrem Konzert im „Wormser“ so, als läge die Welt noch immer unergründet vor ihnen. Das macht nicht nur das Quintett aus Bayern, sondern das „Faun“-Konzert dieses Abends zu etwas derart Besonderem: Dieser freche Witz, mit dem Oliver „SaTyr“ Pade das Publikum im Mozartsaal des Veranstaltungszentrums begrüßt. Dieser heitere Schwank, mit dem mittelalterliche Musik bei aller Wehmut, die zum Minnesang gehört, wie Walther von der Vogelweide, augenblicklich ihre Schwere verliert. Und schließlich die Magie, die jeder melancholischen Note hier innewohnt und die ein nahezu ausverkauftes Haus von der ersten Minute an zu faszinieren versteht.

Der Ursprung dieser Begeisterung ist nicht schwer auszumachen, denn es ist die Gesamtstruktur, die hier passt, überzeugt und für sich einnimmt. Denn für die „Medieval Ballads“-Tour haben Fiona Frewert, Rüdiger Maul, Stephan Groth und Laura Fella nicht nur die vollakustischen Instrumente in den Tourbus gepackt: Auch die organische Vielfalt dargebotener Mythen erstreckt sich, soweit der Globus nur reicht. Da treffen sich ungarische und griechische Sagenstoffe zum Rendezvous, machen zuweilen alten Geschichten wie John Keats‘ morbider „La Belle Dame sans Merci“ Platz, um auch in Preisliedern wie dem „Sonnenreigen“ ihr Pläsir zu finden. Doch spielen „Faun“ ihr Konzert nicht einfach herunter – dafür haben sie sich ihre Aura längst viel zu tief implantiert, mit der sie auch auf den Mittelaltermärkten und Großfesten der Nation für Aufsehen sorgen. Dass das intime und schwer berührende „Kulturprogramm“ der fünf Protagonisten trotzdem nie Gefahr läuft, zur wimmernden Wehklage zu verkommen, ist auch und vor allem dem spontan-authentischen Humor zu verdanken, den die Musiker so subtil in ihre Show einflechten, als wäre er schon immer so gedacht gewesen.

Während die Engelsstimmen von Fiona Frewert und Laura Fella zwischen dem andächtigen „Tanz über die Brücke“ und norwegischen Paarungstänzen einen formalen Spagat meistern und Perkussionist Rüdiger Maul zu keltischen Mythen ebenso furios aufspielt, wie er zu zarten Wikinger-Sagen auch fragil ertönen kann, hat Oliver Pade ganz andere Gedanken im Kopf: Ob die Batterie der Laute wohl hält? Welch digitale Sorgen! Und auch Stephan Groth kann sich nach der Pause dann doch nicht zurückhalten, die Zuschauer zu bitten, statt „kalt und in 3D mit dem Smartphone“ aufzunehmen, das Konzert doch lieber hautnah, „warm und analog“ zu genießen. Diese Steilvorlage lässt sich Frontmann SaTyr natürlich nicht entgehen und bittet seinen „warmen Bruder“ gleich einmal zur nächsten Nummer.

Kurzum: Wem nach einem Urteil zu diesem Konzert ist, der wird keine großen Bänkellieder singen müssen. Denn wer so unaufdringlich schön und gleichzeitig so ergreifend musiziert, um selbst die eigenen CD’s derart charmant anzupreisen, hat den Jubel, der den Mittelalter-Ikonen aus den Rängen entgegenfliegt, mit jeder Note verdient.

Text by Markus Mertens / Fotos © by Boris Korpak

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