Cityguide Rhein Neckar
Musik News

David Crosby Album “Here If You Listen”

David Crosby veröffentlicht am 26.10.2018 sein viertes Soloalbum in fünf Jahren. Auf „Here If You Listen“ beweistder 77-jährige nicht nur, dass seine Leidenschaft für die Musik so stark wie eh und je ist, sondern liefert auch eines der experimentierfreudigsten Alben seiner inzwischen über 60-jährigen Karriere ab.

Für „Here If You Listen” versammelte Crosby erneut die „Lighthouse”-Band um sich, die bereits seinem gleichnamigen Album (2016) und der zugehörigen Tour ihre fesselnde Anmut verliehen: Michael League von SnarkyPuppy, Michelle Willis und Becca Stevens. Im Gegensatz zu „Lighthouse“ ist „Here If You Listen“ jedoch eingemeinschaftliches Werk, in das alle vier Musiker ihr individuelles Songwriting und ihren Gesang einbrachten.

„Wenn man den Weggang von ‚Crosby, Stills & Nash‘ mit einem Sprung von der Klippe vergleicht, dann sind mirFlügel gewachsen, als ich die Lighthouse Band gefunden hatte.“, sagt Crosby. „Die drei sind so erschreckend talentiert, ich konnte buchstäblich nicht wiederstehen, dieses Album mit ihnen aufzunehmen.“

„Here If You Listen“ wurde von League produziert und von Stevens, Willis und Crosby co-produziert. Der akustisch getriebene Sound ist auf das Wesentliche reduziert und konzentriert sich auf die atemberaubenden Harmonien der Band. Doch trotz seiner klanglichen Einfachheit und minimalem Einsatz von Percussion offenbart das Albumgrenzenlos wechselnde Texturen, in das jeder Musiker seine persönlichen Einflüsse einbrachte. „Ein Song erinnert zum Beispiel an Björk, während David Crosbys Texte zu hören sind.“, erklärt League. „Wenn man darübernachdenkt, ist es schon ziemlich verrückt.“

Ein großer Teil des Albums wurde in Leagues Atlantic Sound Studio in Brooklyn geschrieben. Die verschachtelten Arrangements passen sich den Texten an, die sowohl emotional rau als auch reich an Erkenntnis und Verständnis sind. Der visionäre Blickwinkel, der dennoch das Chaos der heutigen Zeit nicht außer Acht lässt, regt zur Selbstreflektion an und wirkt gleichzeitig erhellend und tröstend.

Der Opener „Glory“ lässt den Zuhörer unvermittelt in die verzauberte Welt von „Here If You Listen“ eintauchen. Die weisen Texte von Willis („The strength of the heart is in continuing”) und die außergewöhnliche Melodie des leisenStücks wirken beinahe hypnotisch. Das scharfe und dennoch verspielte Songwriting der Band zeigt sich durch Stevens himmlisch anmutendes Gitarrenspiel. Inspiriert dazu wurde sich von der alternativen Bedeutung des Titelwortes, ein optisches Lichtphänomen, das einem Heiligenschein gleicht.

Das sanfte und dennoch eindringliche „Vagrants Of Venice“ ist ein Meisterwerk von Crosbys Songwriting undErzählkunst. „Ich hatte eine Vision von Venedig in einigen hundert Jahren. Der Meeresspiegel ist stark angestiegen und überall sind halbzerstörte Gebäude zu sehen, die aus der Wasseroberfläche herausragen.“, erklärt Crosbyseinen futuristischen Song. „Die überlebenden Menschen fischen aus den Fenstern des Königspalastes heraus und verbrennen antike Möbel und alte Kunstwerke, um sich warm zu halten.“

Zwei weitere Tracks basieren auf Jahrzehnte alten Demos, die Crosby kürzlich wieder ausgegraben hatte: „1974“, ein helles, hoffnungsvolles Stück, und „1967“, ein zarter Tagtraum, der nur um chorähnliche Harmonien erweitert wurde. „Es ist so schön, beide Davids auf einem Song zu hören.“, freut sich Stevens. „Mit der jüngeren Versionseines Ichs zu singen, als wäre dieses Ich immer noch hier, war ein übernatürliches Erlebnis.“

Eines der bewegendsten Stücke des Albums ist „Your Own Ride“. Das kaskadenartigen Pianospiel von BillLaurence, einem Bandmitglied der Snake Puppys, unterstreicht den schmerzlich-schönen Text aus der Feder vonCrosbys Sohn Django. „Ich werde nie das Gefühl in meinem Herzen vergessen, als Davids Familie den Song zum ersten Mal hörte.“, erinnert sich Stevens. „Im ganzen Raum blieb kein Auge mehr trocken. In diesem Moment schwor ich mir, diesen Moment für immer in meine Gedanken zu brennen, für den Fall, dass ich je vergessen sollte, warumich Musik mache.“

Crosby und seine Band lassen sich weiter von Song zu Song treiben, von „I Am No Artist“ (ein umwerfendes Juwel,auf dem Stevens einen Vers der Dichterin Jane Tyson Clement vertont), über „Other Half Rule“ (ein politischaufgeladener und nachdenklicher Track auf dem League über “Rocket men and little hands/Never taking time tolisten” klagt) bis hin zu „Janet“ (eine von Little Feat inspirierte Nummer, auf der Willis vor “pouring your sweet love/Into a bitter cup” warnt).

Der letzte Song „Woodstock“ wurde ursprünglich von Joni Mitchell geschrieben und von Crosby, Stills, Nash & Young gecovert. „Man hat nicht oft die Gelegenheit, den Song einer Deiner Helden gemeinsam mit einem anderen Heldenzu singen.“, sagt League. „Dass das Stück die heutige Generation genauso anspricht wie damals Davids macht es sogar noch ergreifender.“

Jeder Song von „Here If You Listen” versprüht die Spielfreude, die jeder einzelne Musiker in die Aufnahmeneingebracht hat. „Ich liebe, dass es ernsthaft danach klingt, was wirklich passiert ist: vier Leute mit unterschiedlichemBackground, gegenseitigem Respekt und Hingabe für ihre Arbeit sind zusammengekommen, um etwasBedeutsames zu erschaffen.“, sagt Willis.

Diese Einheit wurde auch durch die unverfrorene Offenheit seitens Crosby verstärkt. „Ich war immer wieder überDavids Enthusiasmus überrascht, neue musikalische Elemente auszuprobieren.“, sagt League. „Jedes Mal, wenn ichihm etwas wie einen ARP Synthesizer oder einen anderen Sound empfahl, den man nicht automatisch mit seinerVergangenheit in Verbindung bringt, sagte er ‚Ok, lass uns das machen!‘. Ich rechnete damit, dass er mich bremsenwürde und war immer aufs Neue verblüfft, wenn er wieder Ja sagte.“

Crosbys und Leagues Wege kreuzten sich erstmals, als er Snarky Puppy auf YouTube entdeckte. Später lernte er auch Stevens und Willis kennen. Sein musikalischer Eifer geht auf die aus seiner Sicht unbestreitbareVerwandtschaft zwischen ihm und seinen Bandkollegen zurück. „Sie sind genauso wie ich. Abgesehen von der Familie ist die Musik das Einzige, was für uns zählt.“, erklärt Crosby. „Sie widmen der Musik ihr Leben und sindbereit, Opfer dafür zu bringen. Und nur mit solchen Leuten möchte ich arbeiten.“

Sich mit einem der legendärsten Künstler der Rock’n’Roll-Geschichte zusammen zu tun, war für die anderen Musiker hingegen bisweilen beängstigend. Letztendlich hob die Zusammenarbeit aber jeden der Involvierten auf ein neuesLevel. „Es gab definitiv Momente, in denen ich keine Kraft mehr hatte und mein Niveau nicht halten konnte.“, gibt Willis zu. „Ich glaube, wir haben uns alle irgendwann einmal so gefühlt, doch die Kameradschaft und Energie deranderen zwang uns aus unseren Selbstzweifeln heraus in die Aktion.“

Bei den Arbeiten zum Nachfolger von „Sky Trails“ (2017; produziert von seinem Sohn James Raymond) drängteCrosby stets nach vorne. Die Wiederbelebung seiner Karriere betrachtet er als eine Art zauberhafte Verantwortung.„Musik ist eine erhebende Kraft.“, sagt Crosby. „Sie bringt das Beste aus uns heraus, bringt uns zum Lachen, zumTanzen und dazu, uns gegenseitig zu lieben. Es ist Magie. Deshalb will ich das so oft und so lange ich es kannmachen. Das ist meine Bestimmung.“

ähnliche Beiträge

ROBYN veröffentlicht neue Single „Honey“

Ewelina Cender-Korpak

DONOTS „Lauter als Bomben“

Ewelina Cender-Korpak

Ralf Hartmann veröffentlicht neue EP „Your Secret World“

Ewelina Cender-Korpak

Diese Website benutzt Cookies. Wenn du die Website weiter nutzt, gehen wir von deinem Einverständnis aus. Akzeptieren mehr Lesen

Datenschutz- und Cookie-Richtlinien