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Onejiru „Higher Than High“

Egal, ob eine Band in der Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel hinter ihr steht oder ein 84-köpfiges Orchester im Konzertsaal: Wenn Onejiru ihre einzigartige Stimme erhebt, ist ihr die Aufmerksamkeit des Publikums sicher. Die Sängerin, die so unterschiedliche Räume zum Klingen bringen kann, nimmt die Hörer auf ihrem Album „Higher Than High“ in zwölf Songs mit auf eine musikalische Reise. Im Onejiru-Kosmos kommen Pop, Punk, Rock und „Afro“ – Einflüsse harmonisch zusammen. „Es ist diese Mischung verschiedener Welten, die mich ausmacht. Ich bin definitiv eine Popkünstlerin“, sagt Onejiru, die in Nairobi und Wanne-Eickel aufwuchs und in Hamburg lebt.

Die Texte auf „Higher Than High“ hat Onejiru ebenso geschrieben, wie schon die Lyrics für die „recomposed“-Werke des vielbeachteten Projekts „Ballet Jeunesse“, das klassische Musik einem jüngeren Publikum näher bringt. „Musik ist für mich ein Kommunikationsmedium“, sagt sie. „In einem Drei-Minuten-Popsong will ich meine Botschaft rüberbringen.“ Onejiru ist Diplomgeografin. Das erklärt die holistische Sichtweise, aus der viele Songs des Albums geschrieben wurden. „Als ob ich aus dem All auf die Erde schauen würde.“ So schildert sie in „Jerusalem“ eine Welt voller Missverständnisse, auf der die Menschen den Weg des Dialogs nicht finden können. „The Story Of My Life“  beschreibt nicht ohne Augenzwinkern ihre Reise aus Kenia nach Europa, wo man dem jungen Mädchen „Ami go Home“ zuruft. „Stop Foolin’“ ist ein Statement für Meinungsfreiheit und die Wichtigkeit, die Stimme zu erheben. Die Songs handeln davon, wie Musik die Welt heilen kann („Soul Food“), Menschen ihre eigene Agenda in den Mittelpunkt stellen („Balance“), aber auch von Verlust („Zouk“) und enttäuschter Freundschaft („No Place To Hide“).

Für musikalische Erdung sorgen vor allem die Gitarren, die stärker in den Vordergrund treten als auf Onejirus dub-lastigeren Album „Prophets Of Profit“. Unverkennbar punkige Akkorde steuert Matthias Arfmann bei, der ghanaische Gitarrist Hope Hormeku spielt singende wunderschöne Melodien dazu. „Wir wollten einen eigenen neuen Klang kreieren“, sagt Onejiru. Für den Groove sorgt dabei erneut Ali Busse, der ansonsten unter anderem bei Jan Delays Disko Nr. 1 am Bass brilliert.

Es ist Musik, die den Hörer runter vom Sofa, also sprichwörtlich aus der eigenen Komfortzone, holt. „Don’t be afraid of pop music, it lifts you higher than high“, heißt es im Titelsong. Im Video des Songs sieht man den Dancefloor einer Blocparty im backyard. Faszinierende Menschen, die sich in Schale geschmissen haben zelebrieren den Augenblick im Bewusstsein: Jetzt und Hier sind wir die Größten! Begleitet von dem legendären James Brown Drummer Tony Cook, Nneka am Dj-Pult, Ngone Thiam am Keyboard, der Gitarren-Göttin Rhina Love und der Dancing Queen Connie Kau bringt Onejiru die Tanzfläche zum Kochen. Diesen magischen und elektrisierenden Augenblick hat Regisseur Lukas Rotter meisterhaft in Szene gesetzt. Da hilft nur noch weiter tanzen und den Durst später löschen.

Das Songwriting mit Produzent Matthias Arfmann beschreibt die Künstlerin als magischen Prozess. „Wir arbeiten oft gleichzeitig am selben Song.“ Meist beginnt es mit dem Beat, auf manchmal recht unorthodoxe Weise entsteht die passende Melodie. Das kann schon mal zu irrsinnig hohen Telefonrechnungen führen, wenn eine Hälfte des Songschreiber-Duos vorübergehend in Moskau und die andere in Hamburg arbeitet. Häufig werden die Stücke anschließend in einem Take aufgenommen, um das Besondere des Augenblicks festzuhalten.

Onejiru kann nicht nur die eigenen Songs zum Strahlen bringen. Ihre Coverversion eines Songs der Flamin’ Groovies holt eine stampfende Punkhymne von 1976 mit überraschender Leichtigkeit ins Hier und Jetzt. „Shake Some Action“ dürfte auch programmatisch für die bevorstehende Tour gelten. „Ich freue mich, meine Songs in echten Räumen vor echten Menschen zu spielen“, sagt Onejiru. Die Reise, auf die sie ihr Publikum mitnimmt, hat gerade erst begonnen.

 

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