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Interviews

DONOTS: Seehofer: „Ich nehme den Strickhut!“

Interview mit den DONOTS beim Da Capo Open Air in Alzey. Gestern Standen die fünf Jungs auf der Bühne des Da Capo Festivals und wir durften sie vor der Show interviewen. Fotos des Auftritts im wunderschönen Schlosshof gibt es natürlich auch noch.

Ihr habt Euch vor der Festivalsaison ja eine kleine Pause gegönnt. Was habt ihr gemacht? Wart Ihr zusammen im Urlaub?

Jan-Dirk:Schön wärs gewesen…

Ingo: Eigentlich sind ja alle unsere Touren wie gemeinsam in den Urlaub fahren- ist ja eigentlich genau das gleiche. Es ist so eine Klassenfahrt mit hin und wieder mal Konzerten spielen.  Nee, ich war im Urlaub, Eike ist eigentlich gerade noch im Urlaub. Der ist extra für diese Show heute hergeflogen und fliegt morgen wieder zurück. Im Sommer sind natürlich viele Festivals und da Eike drei Kinder hat, muss er ja irgendwann im Sommer auch in den Urlaub fahren. Und dann haben wir gesagt: „Flieg nicht soweit weg mein kleiner Freund und komm wieder zu den Shows“. Und So ist gerade der Deal.

Aber er war nicht Ski Fahren?!

Ingo:Oha, das ist schon lange, lange verboten. 2003 hat er sich damals beim Snowboarden den Arm gebrochen und dann ist der Trommler von THUMB und den H-BLOXX damals eingesprungen. Das war zwar gut, aber es ist trotzdem schöner wenn Eike in einem Stück ist und trommelt, deswegen: kein Trendsport mehr.

In München haben wir mit Marco Pogo von TURBOBIER gesprochen und der hat uns verraten, dass Ihr beim NovaRock einen Wandertag geplant habt. Wie hat das funktioniert?

Ingo:Das war so unfassbar lustig! Und es hat so unglaublich gut funktioniert. Aber wie sollte es auch nicht funktionieren?- Es ging um Bier! Natürlich sind Leute bei Festivals, wenn es ums Trinken, geht am Start. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Als wir den Timetable für das NovaRock gesehen haben, haben wir festgestellt, dass wir zeitgleich mit TURBOBIER spielen. Und eigentlich haben wir eine ziemlich ähnliche Fanbase und die Leute haben dann online schon gekotzt, weil sie sich für die eine oder andere Band entscheiden müssen. Deswegen haben wir beschlossen, dass wir gentlemanlike zurückziehen und einfach eine Spielzeit vorher auf der anderen Bühne spielen. Dann haben wir überlegt was kann man denn jetzt daraus machen, so dass die Leute auch beide Bands sehen. So kam es zum Punkrock Wandertag. Wir haben uns mit TURBOBIER- und DONOTS Flaggen, „Viva Con Aqua“- und „Kein Bock auf Nazis“ Flaggen bewaffnet und haben uns am Eingang des Festivals mit allen Leuten die Bock hatten getroffen. Und dann sind wir erst gemeinsam rüber zu unserer Bühne gegangen. Da haben wir dann gespielt und dann sind wir wieder runter gehopst, von der Bühne, haben uns die Flaggen geschnappt und sind dann alle zu TURBOBIER gegangen und da haben die dann gespielt.

Jan-Dirk:Das hat sehr gut funktioniert. Superviele Leute haben mitgemacht und das war echt geil. Auf dem Weg zu TURBOBIER haben wir dann mit allen gequatscht. Das war ein schöner Austausch, direkt nach der Show. Das hat echt richtig Bock gemacht. Und dann bei TURBOBIER war es dann auch rappelvoll auf dem Platz. Also es hat echt gut funktioniert- könnte man weitermachen in den nächsten Jahren. Ein Tipp ans NovaRock!

Wenn Ihr so viel mit anderen Bands interagiert, macht Ihr dann auch mal was privat zusammen, abends nach der Show?

Jan-Dirk:So rumhängen? Das macht man sowieso immer nach der Show. Das ist ja auch das Schöne nach solchen Shows, dass man immer noch ein bisschen Zeit hat um gemeinsam ein Bier zu trinken. Aber wir haben auch privat ein paar Freunde in anderen Bands mit denen man sich dann trifft. Vor einem oder zwei Jahren war ich zum Beispiel mit Vom, dem Trommler von den TOTEN HOSEN, bei GREEN DAY und haben die dann besucht. So was machen wir halt auch oft.

Ingo:Klar, wenn Bands in Köln oder Münster spielen, wo wir wohnen, dann trifft man sich auch mal nachmittags ohne Bier und quatscht dann einfach.

Ihr habt ja nächstes Jahr ein großes Jubiläum, Ihr feiert Silberhochzeit, habt Ihr eine musikalische Überraschung für die Fans geplant?

Ingo:Was wir auf jeden Fall machen werden, sind ein paar Geburtstagskonzerte. Wir haben ja jedes Jahr unseren Grand Münster Slam, der wird auch dieses Jahr wieder stattfinden im Dezember. Es sind dann 6.500 Leute die dann in die Halle Münsterland kommen. Was auch total geil ist, denn es ist für uns ein ganz altehrwürdiger Konzertladen in dem wir auch unsere ersten Shows gesehen haben –die TOTEN HOSEN oder auch GREEN DAY.  Dann spielen wir unter anderem auch noch in Berlin, in der Columbia Halle, im Mehr-Theater in Hamburg, in Offenbach in der Stadthalle. Wir haben uns auch schon ein paar Sachen überlegt. Es wird dann einige Specials geben, aber wenn wir euch das jetzt alles verraten, müssten wir euch später umbringen, weil ihr zu viel wisst.

Jan-Dirk:Außerdem wird von dem was wir uns überlegt haben, eh nur die Hälfte klappen und dann wäre es ja am Ende peinlich und dann müssten wir uns umbringen.

Und seid Ihr schon wieder an der Planung für ein neues Album?

Ingo: Also man muss ja fairerweise sagen, dass unser neues Album „Lauter als Bomben“ noch nicht so alt ist. Das heißt wir sind jetzt eigentlich gerade fertig mit der ersten Clubtour und mittendrin in der ersten Festivalsaison, für die Platte. Damit können wir schon noch ein bisschen länger touren. Aber nach dem Album ist vor dem Album und ich sammle schon wieder Texte.

Jan-Dirk: Guido schreibt auch schon wieder Songs und Demos. Also es ist ja auch immer ein laufender Prozess. Es ist ja nicht so, dass man zwei Jahre lang gar nichts macht und dann setzt man sich hin und schreibt. Man arbeitet schon auch zwischendurch. Aber in unseren Köpfen findet das zumindest noch nicht statt.

Ihr nehmt Euch also für das Schreiben keine Auszeit? Die EMIL BULLS z.B. schließen sich ja für ein halbes Jahr in einer Hütte ein und fangen dann an zu schreiben.

Ingo:Das Schöne ist, dass wir mittlerweile unser eigenes Studio besitzen und deswegen müssen wir uns nicht mehr irgendwo ein Studio, mit einem begrenzten Zeitraum, mieten. Wir können in unserem Proberaum, ein Bunker aus dem 2. Weltkrieg, aufnehmen wann wir wollen. Und dementsprechend können wir uns auch Zeit lassen.

Jan-Dirk: Und bei 2m dicken Wänden gibt’s auch keine Probleme mit der Lautstärke.

Ingo: Also von daher gibt es auch keinen Zeitplan. Aber ja klar, irgendwie kitzelt es dann doch schon wieder jetzt auch weiter zu machen. Denn wir sind immer noch so angefixt vom Wechsel in die deutsche Sprache. Das hat uns so gekickt und die Resonanz darauf ist auch unfassbar geil.

Bekommt Ihr denn ein anderes Feedback, seitdem Eure Fans die Texte auch (wirklich) verstehen können?

Jan-Dirk:(lacht) Ja das ist dann direkter. Das merkt man schon. Selbst wenn die Leute englisch verstehen, hast du trotzdem immer noch die Übersetzungsleistung bei Konzerten oder beim Plattenhören. Und das geht nie so direkt rein wie die eigene Sprache. Das ist zumindest unser Eindruck. Wenn wir jetzt z.B. mit „Ich mach nicht mehr mit“ ein Konzert eröffnen, dann brüllen die Leute das komplett mit und nicht nur den Refrain, sondern den gesamten Text! Und das war auch ein Grund warum wir überhaupt auf die Idee gekommen sind. Denn als wir in den Staaten mit FLOGGING MOLLY auf Tour waren und haben wir mitbekommen, wie dort die Fans jede Textzeile komplett mitgrölen können. Und wir, als Supportband, die englisch gesungen haben, wurden sofort verstanden und später auch am Merchandising Stand von den Leuten angesprochen. Die haben sich dann mit uns über unsere Texte unterhalten. Deswegen denken  wir, dass es in der eigenen Sprache viel direkter ankommt.

Ingo: Und die Leute neigen seitdem mehr zur Selbstverstümmelung. Wir kriegen unglaublich viele Fotos geschickt von Leuten, die sich Textzeilen von uns tätowieren lassen haben.

Macht Euch das stolz?

Ingo:Naja, das ist eigentlich eine ganz große Verantwortung die man da übernimmt. Ich besitze ein BAD RELIGION Tattoo und ich hoffe, dass die mich niemals enttäuschen und sich am Ende als Arschlöcher herausstellen. Es ist ja schon eine Aufgabe Leute ihr Leben lang zu begleiten.

Jan-Dirk:Stell dir mal vor du bist KLAUS & KLAUS Fan und dann steht da irgendwo auf deinem Bein „klingelingeling klingelingeling hier kommt der Eiermann“. (Gelächter)

Was war Euer erstes Konzert?

Ingo: Das gute erste Konzert oder das ehrliche erste Konzert?

Ehrlich natürlich!

Ingo: JULE NEIGEL- Stadtfest Ibbenbüren.

Die ist aber nicht schlecht…

Ingo:Joah… also es war entweder das oder eben eine Schülerband aus Ibbenbüren in einer Scheune oder im Juze… ist ungefähre zeitgleich gewesen.

Mein erstes echtes Konzert waren die TOTEN HOSEN, ’89 glaube ich, in der Halle Münsterland. Und ich glaube als Support haben damals die LURKERS gespielt.

Jan-Dirk:  Bei mir war es auch irgendeine Schulband. Aber das erste richtige Konzert war die FANTASTISCHEN VIER ’90 in Hamburg. Ich glaube es war die Zeit in der sie sich gerade entschlossen hatten nicht mehr „Die da?!“ zu spielen, weil es denen so auf den Sack gegangen ist. Also es ist schon sehr, sehr lange her.

Welcher Newcomer sollte Eurer Meinung nach im Moment auf keiner Playlist fehlen?

Jan-Dirk & Ingogleichzeitig: LEONIDEN

Ingo:Das ist eine unglaublich faszinierende Band,  die in ihrem Stil sehr, sehr eigen ist. Das sind unfassbare Instrumentalisten und Sänger und die Jungs haben sich vieles davon auch selbst draufgeschafft. Der Schlagzeuger ist mehr oder weniger Autodidakt.

Jan-Dirk: Und wenn man drüber nachdenkt, ist vieles von denen ziemlich verkopft und vertrackt, aber es hat auch so eine Leichtigkeit und Tanzbarkeit. Ich weiß gar nicht wie die das hinkriegen, aber so sind die Jungs selber auch. Wir waren ja mit denen auf Tour und die Jungs sind so easy und locker und gut drauf und trotzdem so fleißig und ehrgeizig, aber ohne das man denen das anmerkt. Und das finde ich krass wie die das hinkriegen. Echt beneidenswert.

Ingo:Ja und ich mag das halt immer total, wenn Bands so eine intrinsische Motivation haben, alles nach vorne zu bringen. Und sich aber auch nicht zu fein sind, sich dafür schmutzig zu machen. Die haben einen unglaublichen DIY-Ethos, haben ganz viel von der Pike auf selbst gemacht und lassen sich auch nicht viel aus der Hand nehmen. Die haben jetzt einen größeren Plattenvertrag unterschrieben und die Platte kommt irgendwann im Herbst raus. Aber das sind ähnliche Kontrollfreaks wie wir und das mag ich wenn Leute ein Auge auf alles haben und nicht auf einmal denken: ich gebe alles ab, ab jetzt muss ich nichts mehr machen, das macht die Plattenfirma.

Ihr könnt ja aber auch nicht alles selber machen. Ihr müsst doch sicher auch einiges abgeben.

Ingo:Na klar. Wir haben schon Leute die das Label mit uns zusammen machen. Und wir machen ja auch nicht den Vertrieb, das macht die Warner. Aber man wird sich schon wundern wie viel man am Ende des Tages doch über all die Jahre selbst gewuppt hat.

Jan-Dirk:Und wir haben zumindest schon überall reingeschnuppert und wissen was wie wo funktioniert. Und auch das Team mit dem wir zusammenarbeiten versteht uns und versteht wie wir „gearbeitet werden wollen“.

Die vielen Jahre hinterlassen doch bestimmt auch Spuren, gibt es schon Alterserscheinungen?

(Gelächter)

Jan-Dirk:Ja, guck uns doch an!

Ingo:Also wer das nicht sieht… Ach nee bis jetzt flutscht das eigentlich alles ziemlich gut. Aber wenn ich mir angucke wie unsere lieben Freunde und Kollegen die TOTEN HOSEN den ganzen Kram jetzt schon seit gefühlten 70.000 Jahren, seitdem Pleistozän oder so, machen…und mit welchem Sportsgeist die das jeden Abend fast drei Stunden durchziehen. Dann müssen wir mit Anfang 40 noch gar nicht drüber reden, dass wir Rücken haben.

Aber Ihr habt Rücken, oder?

Ingo:Jaaa, also ich könnte dir Sachen erzählen…

Jan-Dirk:Auf der Tour wird dann nicht mehr nach dem nächsten Club gefragt, wo man noch einmal richtig Rambazamba machen kann, sondern eher nach Wärmepflastern.

Ingo:(lacht)Ja genau, wo ist die nächste Apotheke?

Und zuletzt: Ihr dürft Euch selbst eine Headline überlegen. Was soll die Menschheit wissen?

Ingo:Alles Klar. (überlegt) Seehofer: Ich nehme wirklich den Hut.

Jan-Dirk:Hut? Strick!

Ingo:Nee, das können wir nicht machen…

Jan-Dirk:Aber Strick ist auch schön

Ingo:Ich nehme Hut und Strick…

Jan-Dirk:Strickhut!

Ingo:Alles klar, das nehmen wir!

Von Jana Meins und Mathias Utz für Cityguide Rhein Neckar

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