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Interviews

Ein Gespräch mit Sebastian Mauritz

Ein Gespräch mit Sebastian Mauritz über das Thema seines neuen Buches „Immun gegen Probleme, Stress und Krisen“

1. Sie haben als Berater und Coach langjährige Erfahrung mit Stress und Überbelastung. Was stresst Ihrer Erfahrung nach die meisten Menschen?

Sebastian Mauritz: Stress ist ja erst mal eine sehr subjektive Sache. Worauf ein Mensch mit Stress reagiert, bringt einen anderen Menschen so richtig in seine Kraft. Es gibt aber be-stimmte Häufigkeiten, die mir über die Jahre immer wieder begegnet sind. Für diese gibt es in meinem Buch einfache und leicht umzusetzende Lösungen: 

1. Hohe Anforderungen / Erwartungen an sich selbst und andere. Gerade wenn diese nicht ausgesprochen werden, dann sorgen die eigenen Antreiber für das Gefühl permanenter Überforderung und Frust.
2. Die eigenen Emotionen nicht an- und aussprechen. Das führt zur so genannten emotionalen Dissonanz und ist einer der Haupt-Burn-out-Treiber. Gerade Ärger wird fast immer erst mal unterdrückt.
3. Nicht „Nein“ sagen können – zumindest zu anderen Menschen. Zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen sagen viele Menschen permanent „Nein“.
4. Perfektionismus – alles muss immer perfekt sein lautet die Devise. Wir leben aber einer Welt, die eine Fehlertoleranz und einen flexiblen und kreativen Umgang mit fehlender Perfektion notwendig macht.
5. Schlechte Kommunikation ist ein Klassiker und doch immer wieder ein Stressauslöser. Hier ist der eigene gute Zustand für gute Kommunikation wichtig und auch Formulierungen, um schwierige Situationen einfach anzusprechen. Das kann man zum Glück alles sehr gut lernen und dann umsetzen.
 
2. Gibt es auch Menschen die förmlich nichts aus der Ruhe bringt?
Sebastian Mauritz: Ja, die gibt es und die frage ich seit Jahren auch immer wieder, wie sie das machen. Man muss kein Shaolin-Mönch oder einfach nur erleuchtet sein. Das Phänomen hinter einem kraftvollen, flexiblen und selbstbestimmten Leben lautet Resilienz und deswegen beschäftige ich mich auch seit vielen Jahren mit den Faktoren, die für die eigene Resilienz wichtig sind. Die wichtigsten Aspekte der eigenen Ruhe sind für mich ein guter eigener Zustand, Kreativität, Flexibilität und dazu ein guter Zugang zu allen Emotionen. Gerade wenn ich meine Stress-Emotionen kenne, dann kann ich angemessen auf diese wertvollen Rückmeldehelfer für wichtige Bedürfnisse reagieren.
 
Wer tappt schneller in die Stress-Falle? Frauen oder Männer oder spielt das Geschlecht dabei keine Rolle? Sebastian Mauritz: Das Geschlecht spielt keine Rolle – nur die Wege in die Stressfalle sind in der Regel unterschiedlich. Die Quintessenz für mich lautet immer: Kommen die eigenen Bedürfnisse zu kurz, dann kann man auch nicht gut für andere Menschen sorgen. Die eigenen Bedürfnisse ergeben sich aus den eigenen Antreibern und Werten, sowie aus den gelernten Mustern, wie man selbst mit Stress umgeht. Der einzige Unterschied zwischen Mann und Frau kann man bei der so genannten affektiven Empathie, das bedeutet unsere Resonanzfähigkeit auf Emotionen anderer, finden. Bei Frauen steigt diese bei Stress, bei Männern sinkt sie.
 
3. Ist das, was Therapeuten und Psychologen Resilienz nennen, eine gegebene Eigenschaft oder eine Haltung und Verhaltensweise?
Sebastian Mauritz: Da es keine einheitliche Definition gibt, orientiere ich mich an der Definition von Professor Kalisch vom Deutschen Resilienz Zentrum in Main. Nach ihm ist „Resilienz die Aufrechterhaltung oder schnelle Wiederherstellung der psychischen Gesundheit während und nach Widrigkeiten.“ (Kalisch (2017): Der resiliente Mensch, S. 28)
Die Elemente, die dafür notwendig sind, kann man sowohl in den Eigenschaften eines Menschen finden, als auch im Resilienz förderlichen Verhalten trainieren und mit resilienten Haltungen verstärken. Zum Thema Verhalten und Haltungen gibt es im Buch jede Menge Übungen und nützliche Informationen.
 
4. Es gibt doch sicherlich auch Krisen, die man nicht allein bewältigen kann. Wann sollte man sich professionelle Hilfe holen?
Sebastian Mauritz: Jede Krise ist erst mal ein Einschnitt in das eigene Leben. Die Forschung zeigt auch hier, dass die Menschen, die größte Wahrscheinlichkeit haben, mental gesund ins Alter zu gehen, die 3-4 Krisen gut überstanden haben. Wie man eine Krise gut übersteht hat viele Elemente und nur ein Buch zu lesen reicht sicherlich nicht aus. Zum Zeitpunkt sage ich immer: je früher, desto besser. Ich empfehle Menschen grundsätzlich einen regelmäßigen Besuch bei einem Coach – mit und ohne Problem. Bei der Wahl des Coaches würde ich mich an den großen Coachingverbänden orientieren und auf einen Hintergrund im Bereich der humanistischen Psychologie, beziehungsweise systemischer Arbeit achten. Empfehlungen von Bekannten sind genauso hilfreich, wie auch ein Casting verschiedener Coaches – was vor der Krise leichter fällt als in ihr.
 
5. Sie haben ein Buch zum Thema „Immun gegen Stress und Krisen“ geschrieben. Wer sollte Ihr Buch unbedingt lesen?
Sebastian Mauritz: Aus meiner Sicht sind Stress und Krisen tägliche Begleiter auf dem Weg durchs Leben. Das ist vielen Menschen bewusst und sie sorgen gut für sich, ihre Bedürfnisse und haben auch ein Interesse daran, sich weiterzubilden. Aber Achtung – wenn man vom Buch begeistert ist und es dann jemandem zu lesen gibt, dem es gerade nicht gut geht, könnte das nach hinten losgehen. Das ist der berühmte Fluch der guten Tat: „Ich meine es doch nur gut, das Buch hilft Dir sicher“. Es kann sein, dass ihr gegenüber das als zynisch und abwertend erlebt – gut gemeint ist auch hier nicht gut gemacht. Was dagegen hilft, ist ein interessiertes Sprechen über das Buch aus Ich-Perspektive, so dass das Gegenüber neugierig nach dem Buch fragen kann, ohne das „das musst Du lesen, es geht Dir doch gerade nicht gut!“.
 
6. Sie schreiben in Ihrem Buch von einem „Krisen-Code“. Was hat man sich darunter vorzustellen? Sebastian Mauritz: Jede Krise ist individuell und sehr besonders vom Inhalt. Als Krisen-Code beschreibe ich die Struktur der Krise. Dies erklärt, wie man während und nach Krisen ansetzen kann, damit man die eigene Immunität noch weiter steigert. Probleme sind eine wichtige Zutat für Krisen, da ist es zum Beispiel interessant zu wissen, dass jedes Problem individuell im subjektiven Erleben erzeugt wird. Es fühlt sich anders an, gleichzeitig ist es ein Prozess, der Kreativität für die Lösung braucht. So können mit dem Code auch die weiteren Rahmenbedin-gungen erkannt werden, die für einen kraftvollen Umgang mit möglichen Krisen nützlich sind.
 
7. Haben Sie einen Ratschlag, den Sie als Sofortmaßnahme immer empfehlen würden?
Sebastian Mauritz: Das, was mich durch die Krisen in meinem Leben gerettet hat, war menschlicher Kontakt. Es gibt immer die eine Person, die jetzt gerade gut für mich ist. Deswegen ist ein tragfähiges soziales Netzwerk auch so wichtig. Es geht nicht um ein paar Hundert Freunde bei Facebook, sondern um echten, wertschätzenden und menschlichen Kontakt, der einen sicheren Raum für die eigenen Schwächen zu Verfügung stellt, sowie einen selbst wieder in Kontakt mit den eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten bringt. Diese Menschen habe ich bei mir im Telefon auf Kurzwahl.
 
8. Sie geraten doch sicherlich auch einmal in Stress, oder nicht?
Sebastian Mauritz: Na klar, in meinen täglichen Übungen erzeuge ich Stress im Körper. Dazu nutze ich bestimmte Atemübungen des Holländers Wim Hof und dusche kalt. Das hat meinen Zugang zu Stress in den letzten Monaten noch mal deutlich verändert. Bei allen anderen Dingen gönne ich mir meine menschliche Emotionalität, bin dabei aber sehr bewusst und auch wenn ich mal eine deftige E-Mail aus einem Anflug von Ärger heraus schreibe speichere ich sie immer erstmal als Entwurf ab. Am nächsten Tag schreibe ich sie dann mit viel Vergnügen und besonders aus einem guten Zustand heraus neu. Ich merke Stress sehr schnell, weil ich meine Antreiber, Werte und alle anderen wichtigen Faktoren kenne – und ich handle stets nach meinem Leitsatz: Was immer Du tust, tue es aus einem guten Zustand heraus.
 
Sebastian Mauritz ist als Unternehmer im Bereich Kommunikation seit 1998 selbstständig und hat ver-schiedene Firmen gegründet. Als Trainer arbeitet er seit über 20 Jahren mit Menschen.
Bereits seit vielen Jahren beschäftigt er sich erfolgreich mit Stress und Krisen. Im Bereich Resilienz gehört er zu den führenden Experten in Deutschland. Seine persönlichen Erfahrungen und viele hun-derte Stunden Trainings, Seminare und Workshops als Leiter und als Teilnehmer schufen ein Bedürfnis für das Thema proaktive Resilienz. Also eine aktive und kreative Auseinandersetzung mit den kleinen und großen Hürden und Themen des Lebens. Auf der Suche nach Antworten und mit der Freude an lebenslangem Lernen suchte er weltweit die besten Lehrer, Trainer und Ausbilder. Gefunden hat er umfangreiches Wissen um systemisches Coaching, Hypnotherapie, NLP und viele andere Kommunika-tionstheorien. Seinen Masterabschluss im Bereich Systemische Beratung an der TU Kaiserslautern hat mit einer Masterarbeit über proaktive Resilienz gemacht. https://sebastianmauritz.de 

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