Mit eurem Album „Laune der Natur“ seit ihr ja wieder ordentlich unterwegs. Wie sieht eigentlich ein Tour Tag bei euch aus, wann geht es los, fliegen noch Fernseher aus den Hotelzimmern und wann ist Feierabend?

Inzwischen klettern wir nach Konzerten nachts lieber über den Zaun des nächstliegenden Freibads, um uns nochmal abzukühlen, als Fernseher aus Hotelfenstern zu schmeißen… Früher haben wir aus Übermut vieles gemacht und ausprobiert, was heutzutage eher nicht mehr so vorkommt. Außerdem sind die Konzerte viel größer geworden, da ist unser Anspruch, jeden Abend in Bestform auf die Bühne zu laufen. Inzwischen haben wir gelernt, uns das einzuteilen. Aber nach einem Konzert muss man erstmal jede Menge Adrenalin abbauen, da ergeben sich immer wieder die besten spontanen Partys, mit Freunden, den Leuten, die auf der Tour arbeiten oder wenn wir nachts mit dem Bus noch weiter fahren.

Ein Konzerttag beginnt für uns meistens am frühen Nachmittag, mit Soundcheck, ein paar Sachen für sich selber üben, die anderen Bands ansehen, sich warmmachen. Außerdem sind ja immer jede Menge Leute zum Reden da – da geht die Zeit bis zum Konzertbeginn immer sehr schnell vorbei.

Wie war eigentlich eure Reise nach China, hattet ihr Zugang zu euren Fans und welche Eindrücke konntest du auf eurer Reise sammeln?

Die Reise nach China hatte für mich viel Unerwartetes zu bieten. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass es in China trotz der harten Zensur und des Kontrollwahns der Behörden dermaßen viele Bands, Konzerte, oder auch Künstler und Galerien gibt. Die Leute dort lamentieren nicht, sondern machen einfach, was geht, und finden immer wieder clevere Formen, um sich auszudrücken. Auch das Publikum hat mir gefallen, wenn man den Leuten etwas anbietet, sind sie sofort dabei und haben Spaß, mitzumachen. Außerdem gibt es in vielem ganz andere Mentalitäten und Traditionen des Denkens als bei uns, es war interessant, davon wenigstens mal eine Ahnung zu bekommen.

Ihr habt ja schon so einige Länder bereist, wie seit ihr auf China gekommen und gibt es noch andere Länder in denen ihr gerne spielen würdet?

Nach China hatte uns schon seit Längerem ein privater Festival-Veranstalter eingeladen, dieses Jahr hat es dann endlich geklappt. Bei diesen Reisen, wie jetzt auch in China, lernen wir immer wieder tolle Leute kennen, treffen andere Bands, erfahren etwas von deren Leben und kommen an Orte, in Clubs oder zu Leuten nach Hause, die einem als Tourist meistens verschlossen bleiben. Wir lassen uns gerne überraschen, welche Möglichkeit sich uns als nächstes bietet. Wir konnten auch nicht damit rechnen, einmal in Tadschikistan, Usbekistan, Guatemala oder Myanmar zu spielen, aber plötzlich war dann die Gelegenheit da.

Macht ihr eigentlich untereinander auch manchmal etwas zusammen, ich meine jetzt nicht eure „Trainingslager“ auf Ibiza. Oder gebt ihr nach den vielen Konzerten eurer Privatsphäre den Vortritt?

Es ist sicher wichtig, dass wir nach der vielen Zeit, die wir miteinander verbringen, auch mal voneinander wegkommen und Abstand gewinnen. Das Schöne ist aber, dass wir jederzeit zusammen Spaß haben können, auch wenn es mit der Band nichts zu tun hat. Andi, Campino und ich treffen uns jedes Jahr mit Freunden zum Skifahren. Oder erst neulich war ich bei Freunden in Spanien, und Andi und Campino hingen auch schon wieder da rum…

Apropos Trainingslager… Ich kenne viele die angefangen habe Gitarre zu spielen und „berühmt“ werden möchten. Wie bist du zu deinem Instrument gekommen, wie oft hast du früher geübt und wie oft übt ein Star wie du heute noch?

Mein Antrieb war, genau wie bei Kuddel, unbedingt Gitarre spielen zu wollen. Unabhängig voneinander haben wir beide mit “Peter Bursch´s Gitarrenbuch“ angefangen, einem der ersten Bücher zum Selberlernen. Der Spaß an der Musik oder an der Gitarre hört ja nicht auf, wenn man in einer erfolgreichen Band spielt. Im Gegenteil, wenn man schon oft erlebt hat, dass aus einer kleinen Idee ein richtiges Lied werden kann, ist das ein schöner Antrieb. Und dazulernen kann man bis ans Lebensende…

Wie geht es weiter wenn ihr dieses Jahr die „Laune der Natour“ nach 2 erfolgreichen Jahren abschließt, wie kann man so etwas noch toppen?

Wir haben ein paar vage Ideen, was wir danach machen möchten, aber noch keine konkreten Pläne. Ende des Jahres werden wir uns im Proberaum oder im Studio ein paar Tage zusammensetzen, um zu überlegen, worauf wir als nächstes Lust haben. Am besten wird es dann sein, nicht zu versuchen, dass alles noch schöner, größer und erfolgreicher wird, sondern einfach nur zu sehen, was in uns steckt.

Was erwartet den Fan auf den Abschlussgigs in eurer Heimatstadt Düsseldorf, es wird doch bestimmt ein paar Specials geben?

Irgendetwas Besonderes wird sich aus dieser Situation bestimmt wieder ergeben, aber meistens nimmt das erst kurz vorher Gestalt an. Diese Konzerte sind für uns noch sehr weit weg, deswegen haben wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht. Zum Glück können wir bei dem, was wir machen, immer wieder spontan sein.

Früher wart ihr ja die „Opel Gang“, was für Autos fahrt ihr heute?

Nachdem mein Opel Commodore B Mitte der 90er Jahre endgültig seinen Geist aufgegeben hatte, habe ich mir einen 3er BMW gekauft. Den fahre ich immer noch, inzwischen also seit über 20 Jahren. Bei den anderen reicht es von Fiat 500 bis zum abgas-manipuliertem Audi A4, also alles langweilige Autos, die einfach nur fahren. Früher konnte man in jedem Kaufhaus Rallyestreifen oder riesige Startnummern kaufen und es gab die entsprechenden Autos wie Opel Manta oder Ford Capri, auf die man sie sinnvoll aufkleben konnte. Bei den neuen Autos würde das keinen Spaß mehr machen, die sehen alle gleich aus. Aber Rallyestreifen gibt es ja ohnehin nicht mehr.

Nach vielen Jahren im Business hat habt ihr ja schon einiges erlebt und viele Erfahrungen gesammelt, wir geht ihr heutzutage mit Kritik oder Lob um? Gibt es noch Dinge die euch erstaunen?

Am Wichtigsten ist für uns, was Freunde, Mitarbeiter oder Wegbegleiter von uns sagen. Deren Kritik war schon oft sehr wertvoll für uns. Erstaunlich ist eigentlich nur die Energie, mit der einige wenige Medienvertreter immer mal wieder versuchen, unter die Gürtellinie zu hauen. Das sagt meistens mehr über sie selber aus, als über diejenigen, die sie treffen wollen. Aber das sind zum Glück wirklich nur Ausnahmen.

Im Laufe der Jahre habt ihr diverse Bands unterstützt die mittlerweile selbst eine größere Nummer in der Szene geworden sind. Was würdest du jüngeren Bands raten um in der Branche Fuß zu fassen?

Ich weiß gar nicht, ob wir da wirklich Ratschläge geben können. Bei uns war es so, dass wir die totale Leidenschaft dafür hatten, in dieser Band zu spielen und es für uns die allergrößte Freude war, zusammen unterwegs zu sein. Im Grunde ist das bis heute so geblieben. Das ist ganz sicher die Grundvoraussetzung für alles andere, bei uns wie bei jeder anderen Band, die über Jahre zusammen durch Dick und Dünn gehen will.

Wenn du nur noch einen Tag auf dieser Welt zu leben hättest, was würdest du tun?

Ich würde mir wünschen, dass alle Menschen bei mir wären, die mir lieb und wichtig sind. Aber dass mir bloß keiner irgendwelche Geschichten erzählt, wie´s früher mal war! Ein bisschen Spaß zusammen zu haben, wäre ein schöner Übergang zu dem, was dann als nächstes kommt.

Du darfst dir die Headline für dein Interview selbst aussuchen, was soll ganz oben stehen?

In dieser Band zu spielen, ist einfach das, was wir am liebsten machen.

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