Bis M’era Luna ist nur wenig Zeit übrig geblieben. Und wir freuen uns sehr, dass die Veranstalter des Festivals FKP Scorpio ein wenig Zeit gefunden haben, um unsere Fragen zu beantworten und uns ein Blick hinter die Festival Kulissen werfen lassen.

Ich möchte gerne mit den Neuigkeiten dieses Jahres anfangen. In diesem Jahr bietet M’era Luna erstmals die Möglichkeit, ein M’era Luna Botschafter zu werden. Im Grunde sind die Besucher Distributoren des Festivals geworden (solche Konzepte kenne wir von Kosmetikfirmen). Wie ist zu dieser Idee gekommen und hat es sich gelohnt?

Solche Konzepte sind auch im Festivalsektor angekommen. Die Idee dahinter ist so einfach wie effektiv: Festivals sind Veranstaltungen, die sich immer an Gruppen richten – die wenigsten Besucher kommen allein. Unser Botschafterprogramm setzt daran an und belohnt es, wenn sich Gruppen finden, die zusammen buchen. Da das ohnehin schon der Fall ist, haben unsere Gäste dadurch einen Mehrwert, ohne dass sich für sie etwas ändert. Uns gefällt dieses Prinzip: Denn so belohnen wir unsere treuesten Gäste und können uns mit verschiedenen Prämien oder einem besonderen Erlebnis bei ihnen bedanken.

Eine Problematik, die momentan große Sorgen bereitet, ist die Event Fotografie im Zusammenhang mit der DSGVO. M’era Luna hat immer Wert auf Publikumsbilder gelegt und hat sogar „The Beautiful Faces of M’era Luna“ Rubrik etabliert. Wie werdet ihr dieses Jahr damit umgehen?

Anlass zu „großer Sorge“ bietet die DSGVO zumindest in dieser Hinsicht nicht, denn  viele Informationen zu diesem Thema basieren auf falschen Annahmen. Unsere Gäste werden auch in Zukunft im Mittelpunkt unserer Kommunikation stehen.

Wie werden die Bands für das M’era Luna ausgewählt? Gibt es Möglichkeiten für Bands, insbesondere nicht aus Deutschland, um auf sich aufmerksam zu machen ohne beim Newcomer Contest mitzumachen? Es gibt so viele schöne Bands in der Szene, die keine Newcomer sind, aber trotzdem noch nie beim M’era Luna gespielt haben… Viele Leute beschweren sich, dass im Sommer bei den Festivals immer die gleichen Bands auftreten und auch beim M’era Luna einige Bands alle zwei Jahre spielen. Wie steht ihr zu dieser Kritik?

Die Bandauswahl basiert auf etlichen Faktoren, unsere Booker beobachten die Szene genau. Hinzukommt, dass wir in unserer jährlichen Besucherumfrage nach Bandwünschen fragen und daher wissen, dass unsere Line-ups den Wünschen der überwältigenden Mehrheit entsprechen. Natürlich sind wir auch immer offen für neue Einflüsse, der Bandwettbewerb ist dafür ein Beispiel – und wer unsere Line-ups aufmerksam liest, sieht, dass es hier immer wieder Überraschungen gibt. Übrigens auch im Headliner-Bereich.

Wer trifft die Entscheidung bezüglich der Headliner des Festivals? In den letzten Jahren waren oftmals Bands Headliner, die eigentlich mit der Gothic / Schwarzen Szene nichts zu tun haben wie Korn (die Jungs haben sich sogar von Bühne aus gewundert, warum sie dabei sind), Rob Zombie und natürlich The Prodigy dieses Jahr.

Die Beobachtung ist richtig – und alle genannten Bands haben dennoch unvergessliche Auftritte hingelegt. The Prodigy standen 2009 das erste Mal bei uns auf der Bühne, und ihr Konzert genießt in der Community noch heute einen legendären Ruf. Wir selbst halten, genauso wie die Mehrzahl unserer Besucher, nichts von starren Genregrenzen. Alle Acts, die vielleicht auf den ersten Blick szenefremd wirken, haben live ausgezeichnet funktioniert, darüber gibt es unter den Besuchern vor Ort und aufgrund unserer Umfragen keine Zweifel.

FKP Scorpio veranstaltet eine ganze Reihe von Festivals. Wie sieht die Arbeit bei euch aus? Hat jedes Festival sein eigenes Team oder gibt es ein großes Team, das sich gemeinsam um alle Festivals kümmert?

Gerade weil wir viele Festivals machen, haben wir auch ein entsprechend großes Team. Das bedeutet glücklicherweise, dass wir uns erlauben können, die musikalischen Vorlieben unserer Mitarbeiter zu berücksichtigen, sodass die Macher des M’era Luna auch voll hinter dem Festival und dem was es verkörpert, stehen.

Jedes Jahr gibt es Neuerungen beim M’era Luna Festival. Letztes Jahr war es z.B. die M’era Luna Academy. Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht und wie wählt ihr die Workshops, die da angeboten werden, aus?

Unsere Lust auf Experimente und neue Angebote kommt durchweg sehr gut an. Die Academy hatte ein erfolgreiches erstes Jahr, jüngst haben wir das diesjährige Programm bekanntgegeben, das noch mehr Workshops und Vorträge enthält. Auch deren Auswahl basiert maßgeblich auf dem Feedback der Community, alle Infos dazu gibt es auf meraluna.de.

Seit 2015 gibt es beim M’era Luna den „Gothic Garden“ – ein Angebot für das bequeme Zelten, aufgepeppt mit weitere Schnäppchen, für 400 Leute. Wie wurde diese Idee geboren? Plant ihr in Zukunft noch weitere Verbesserungen in diesem Bereich?

Auch diese Idee kommt aus der Community. Unsere Besucher werden auch älter, aber hören natürlich nicht auf einmal auf, Goth zu sein. Da ist es doch nur natürlich, dass der Ruf nach mehr Komfort laut wird. Wir verstehen das gut und freuen uns, dass wir so auch weiterhin Leute in unserer Familie haben, die vielleicht sonst gar nicht mehr kommen würden. Wichtig ist uns aber, dass es nach wie vor für jeden Geschmack das richtige Angebot gibt.

Wer ist verantwortlich für das Food Angebot? Wie wählt ihr die Anbieter aus?

Die Entscheidung liegt bei mehreren Mitarbeitern unseres Teams und basiert ebenfalls maßgeblich auf Besucherfeedback. Wichtig ist jedenfalls, dass die Palette an Angeboten für jeden Geschmack und für jede Tageszeit etwas bereithalten muss. Es sollte beispielsweise ausreichend vegane und vegetarische Speisen geben, aber auch Fleischesser müssen natürlich auf ihre Kosten kommen.

Wir nutzen die Vielzahl unserer Festivals bewusst aus, um die besten Anbieter zu fördern und jene, die sich nicht mit uns zusammen weiterentwickeln, auszuschließen. So wird die Qualität jedes Jahr besser und damit einhergehend auch die Vielfalt immer größer. Wir versuchen außerdem jedes Jahr, mit neuen Spezialitäten und spannenden neuen Konzepten aufzuwarten, die nur für das Festival kreiert wurden. Lasst euch überraschen.

2017 habt ihr eure erste Schmuckkollektion rausgebracht. Wessen Idee war das und wer hat das Design gemacht? Wie entscheidet ihr insgesamt, welche Merch-Artikel angeboten werden und wer macht alle Designs der Produkte?

Die Idee ist in unserem Team entstanden, weil wir selbst wissen, wie sehr sich die Szene über ihr Aussehen definiert, ohne oberflächlich zu sein. Die Designs stammen von unserem Partner Alchemy England und werden in Absprache mit uns entworfen. Jedes Jahr fragen wir unsere Gäste natürlich auch nach Feedback und neuen Ideen.

 „Perfekt“ ist ein sehr abstrakter Begriff. Jedes Festival hat kleine oder große Probleme, sei es das Wetter, technische Probleme oder etwas ganz anderes. Was ist für euch als Veranstalter ein „perfektes Festival“? Habt ihr das überhaupt schon mal erlebt?

Eine gute Frage! Es stimmt, das „perfekte“ Festival ist ein Horizont, den man nie erreichen kann. Letztendlich zählt nur, ob unsere Gäste eine gute Zeit gehabt haben. Das M’era Luna pflegt eine besondere Beziehung zu seinen Besuchern, für die es auch nicht einfach irgendein Festival ist. Das bedeutet eine große Verantwortung, macht uns aber auch sehr stolz. Solange es unserer Community bei uns gefällt und das M’era Luna weiterhin ein Szenetreffen für Deutschland und Europa bleibt, sind wir sehr zufrieden!

Und am Ende möchten wir euch noch um ein paar Wörter für unsere Leser, die dieses Jahr zum M’era Luna kommen wollen, bitten…

Auch wenn ihr meist schwarz gekleidet seid: Sorgt dafür, dass das M’era Luna wieder genauso bunt ist wie immer, trefft eure Freunde und macht die Nacht zum Tag! Wir sind froh, dass unsere Szene ein tolles Beispiel für Vielfalt und Toleranz ist – darauf könnt ihr alle stolz sein!

Interview by Daria Tessa

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