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Interviews

Special: Artists and their Tattoos – Christoph Klinke (gitar) from Megaherz

Manche Sachen brauchen Zeit. Chris war einer der ersten Musiker, den ich wegen unseres Projekts gefragt hatte. Die Bilder hatten wir auch schon längst gemacht, aber mit dem Interview hat es immer wieder nicht geklappt – bis März diesen Jahres. Da musste ich die Möglichkeit ausnutzen, dass Megaherz mit ihrer neuen Tour in Frankfurt zu Besuch war, um mich mit Chris zu treffen. Diesmal hat es funktioniert und die Ergebnisse kann ich euch heute vorstellen.

Erste Frage: Wann wurde das erste Tattoo bei Dir gestochen und für welches Motiv hast Du Dich entschieden? Wie lange musstest Du darüber nachdenken?

Chris: Boah, wenn ich das wüsste. Also wann das war. Das war bestimmt vor zwölf Jahren glaube ich. Also machen wollen habe ich das schon sehr viel länger. Aber dann konkret, was es wird und so weiter, das war dann innerhalb von drei Monaten.

OK und was das erste?

Chris: Das war hier der Arm/Unterarm. Und dann sind wir gleich weiter rumgegangen.

Ja bei dir ist es ganz schwer, aber wie viele Tattoos hast du?

Chris: Oh das kann man so gar nicht genau sagen. Weil was will man da als ein Tattoo zählen? Ist das eins, sagen wir mal ok, das sind fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf, zwölf, dreizehn, fünfzehn ungefähr.

Gibt es davon welche von denen Du eine Geschichte erzählen könntest und was sie Dir insbesondere bedeuten?

Chris: Eigentlich hängen die Geschichten sehr zusammen, weil ich glaube, ich wäre lieber Seemann geworden.

Ja von der Art der Tattoos merkt man das schon.

Chris: Ganz genau deswegen ist das alles sehr maritim, aber in München haben wir leider bloß kleine Seen. Das ist so ein bisschen die Sehnsucht nach dem Meer. Das ist es eigentlich, alles. Bis auf das eine hier. Das ist ein Russlandsouvenir gewesen. Auf dem Oberschenkel. Aber ansonsten ist alles sehr maritim geblieben.

Aber zum Beispiel an den Füßen hast du auch was… oder sind das auch Seemann Tattoos?

Chris: Ja das sind ein Schwein und ein Hahn. Wenn man diese als Seemann tätowiert hat, kann man nicht mehr ertrinken.

Ach so. Das wusste ich gar nicht.

Chris: Jetzt weißt du es.

Hast du schon alle Tattoos gemacht, die du machen wolltest.

Chris: Nein auf gar keinen Fall, da kommt sicher noch sehr viel mehr. Ich hätte gerne mehr.

Wurden alle Tattoos bei demselben Tätowierer gestochen?

Chris: Bei Mehreren.

Und wer hat die Skizze(n) für Dich gemacht?

Chris: Das war natürlich der Tätowierer immer selbst. Aber ich glaube es waren insgesamt fünf verschiedene Tätowierer.

Wie lange hat die längste Sitzung gedauert?

Chris: Ich glaub das waren acht Stunden.

Respekt. Weil an manchen Stellen kann man es einfach nicht lange aushalten. Das geht einfach nicht.

Chris: Ja, wenn man fit ist und gut geschlafen hat und die Woche ruhig angehen lässt, dann geht das. Wenn man wenig geschlafen hat, dann ist es zeitlich dann doch ein bisschen begrenzter, ja….

Tattoos stechen zu lassen ist schmerzhaft.

Chris: Das stimmt, ja.

Wie kannst Du die Schmerzen während der Sitzung aushalten?

Chris: Du, wie gesagt, mal so mal so, das kommt auf die Tagesform drauf an. Das heißt ab und zu gehen acht Stunden – ab und zu ist die vierte Stunde dann auch schon sehr haarig!

Ja aber wie lenkst du dich von den Schmerzen ab, sagen wir es doch so.

Chris: Ich glaub’ das mach ich einfach über die Atmung. Also einfach auf die Atmung konzentrieren und dann ist man eigentlich schon fast über den Berg.

Ok, weil ich habe da schon einige Antworten gehört. Es gibt Leute die können dabei einschlafen.

Chris: Ich kenne auch Leute, die dabei schon eingeschlafen sind. Aber das Glück ist mir leider noch nicht zuteil geworden.

Hast Du jemals bereut, ein Tattoo stechen zu lassen?

Chris: Hm, nicht wirklich – also ja mal kurz aber inzwischen nicht mehr.

Ok. Welche Arten von Tattoos sind für Dich tabu, welche würdest Du niemals stechen und Dir auch niemals stechen lassen?

Chris: Was andere Leute machen ist ihre Sache. Aber ich mag realistische Porträts und so etwas nicht.

Also Babyfotos und so etwas nicht.

Chris: Also wenn jemand stolz auf sein Baby ist, kann er es sich gerne tätowieren lassen. Ich finde es dann auch nicht schlimm, wenn er es hat. Aber für mich ist das ganz sicher nichts.

Es heißt, es macht süchtig, sich tätowieren zu lassen – hat man einmal damit angefangen kann man nicht mehr aufhören. Wie siehst Du das?

Chris: Also bei mir ist es so, wenn ich ein schönes Motiv habe oder eine gute Idee dahinter ist, dann will ich das schon haben. Es ist jetzt aber nicht so, dass ich jede Woche aufs Neue zum Tätowierer gehen müsste. Süchtig will ich auf gar keinen Fall sein.

Im Moment sind ja Tätowierungen teilweise zur Mode geworden.

Chris: Ich glaube inzwischen ist es schon nicht mehr Mode, oder?

Doch, aber was mich in diesem Bereich stutzig macht, ist, dass Leute einfach cool sein wollen und sich keine Gedanken darüber machen, dass sie die Tattoos das ganze Leben über tragen müssen. Und manchmal kommen sie einfach in das Studio lassen sich zeigen, was es gibt. Und das macht aus einem Tätowierer keinen  Künstler sondern einen Massenproduzenten…

Chris: Das würde ich gar nicht mal so sagen. Weil viele Tätowierer Zeiten haben, in denen sie nicht tätowieren und diese nutzen, um kreativ zu sein. Nun haben sie natürlich viele schöne Vorlagen. Ich meine, es lässt sich ja nicht jeder ein Herz tätowieren oder sowas sondern eben etwas aus seinem Portfolio wo er sagt, das tätowiere ich auch nur einmal. Und von daher denke ich, kann man sich auch mal beim Tätowierer überraschen lassen. Ich würde sagen, es muss einfach gefallen.

Aber die eigentliche Tendenz „das Tattoo als Mode“ wie denkst du darüber? Ob das die Leute nicht später bereuen werden.

Chris: Glaube nicht, dass die Leute das später einmal bereuen werden. Wenn du auf die Herdplatte fasst, hast du auch eine Narbe an der Hand, die bereust du auch nicht. Und das ist noch bisschen was Schöneres.

Früher herrschte die verbreitete Meinung Tattoos seinen asozial – man hatte Schwierigkeiten eine Anstellung zu finden. Hat sich diese Meinung heute geändert oder muss man noch immer mit Vorurteilen rechnen?

Chris: Das hat man hier genauso gesagt.

Ja und ob es diese Vorurteile heute noch gibt oder hat es sich inzwischen geändert?

Chris: Bestimmte Berufe betrifft es ganz sicher. Also ich denke mal, als Bänker mit tätowierten Händen, wird man immer noch von den Chefs nicht bevorzugt. Was jetzt aber andere? Also ich bin Veranstaltungskaufmann, da ist es Wurst. Aber man lebt ja dann auch so ein bisschen in dieser Szene. Und dadurch ergibt sich das. Also es gibt bestimmt Jobs wo das tabu ist.

Bei den Bänkern habe ich gehört, dass manche aus Protest tätowiert sind. Also bis zum Ende des Anzugs.

Chris: Oder man lässt sich gleich die Hand tätowieren und sagt „das werde ich nicht“.

Zu guter Letzt… was empfiehlst Du unseren Lesern, die ihr erstes Tattoo planen? Worauf sollten sie achten bzgl. Auswahl des Studios, des Tätowierers, der Stilrichtung… Welche Ratschläge hast Du?

Chris: Meine ersten Tätowierer rausgesucht das waren Tattoos von Freunden die mir gefallen haben. Da habe ich gefragt „wo habt ihr die stechen lassen“. Und dann bin ich einfach mal hingefahren. Dann kann man sich da Bücher anschauen. Und dann kann man sehen wie der gesamte Stil von diesen Leuten eben so ist. Und man muss eben lange suchen, dann findet man eben den richtigen Stil für sich selbst. Also nicht gleich das erstbeste nehmen. Aber ich denke, das sollte wirklich jedem klar sein.

Project by Daria Tessa and Daniela Vorndran, Interview by Daria Tessa

Pictures by Daria Tessa (https://www.facebook.com/tessaswelten)

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