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Special: Artists and their Tattoos – Nataly Nichil First lady der Unterschicht

Laut dem Wetter haben wir endlich Sommer – die Zeit der kurzen Röcke und des Dekolletés. Unsere heutige Gastin Nataly Nichil hat etwas zu zeigen, denn ihre Tattoos wecken Freude und verzaubern mit ihren Ideen und ihrer Vielfalt. Die Festivalsaison hat begonnen und ich denke, es gibt eine Chance, alle diese Schönheit live zu sehen, wenn nicht auf der Bühne mit Unterschicht, dann unter den Besuchern.

Wann wurde das erste Tattoo bei Dir gestochen und für welches Motiv hast Du Dich entschieden? Wie lange musstest Du darüber nachdenken?

Mein erstes Tattoo habe ich mir mit 20 Jahren stechen lassen, leider ist es dem Tattoo-Artist nicht wirklich gelungen. Mittlerweile ist es gecovert. Es war ein farbiges Tattoo. Motiv war eine Hand, die einen Origami-Kranich hält, im Hintergrund waren Rosen. Die Rosen sind immer noch da, aber der Rest des Bildes ist weg. Ich war immer sicher, dass ich einen tätowierten Körper haben will, habe aber lange keine Schritte dafür unternommen. Ich lasse mich tätowieren, seit ich mit verschiedenen Tätowierern befreundet bin.

Wie viele Tattoos hast Du insgesamt? Gibt es davon welche von denen Du eine Geschichte erzählen könntest/möchtest und was sie Dir insbesondere bedeuten?

Ich habe 12, wenn ich alle Tattoos inklusive Cover-Up mitrechne. Meine Tattoos haben keine Bedeutung, aber sie zeigen meine ästhetischen Vorlieben.

Planst Du Dir weitere Tattoos stechen zu lassen?

Ich habe noch ausreichend Platz für etwas Neues. Ich habe unvollendete Tattoos auf den Hüften und einen angefangenen Black-Dot-Work Sleeve. Allgemein frische ich meine Tattoos ab und zu auf. Ich möchte meine Beine symmetrisch tätowiert haben, mein Rücken stechen und mein Nacken-Tattoo erweitern lassen. Ich weiß schon ganz genau, was ich haben will. Ich glaube, dass ich mein Gesicht, den rechten Arm und meinen Brustkorb frei lassen werde. Leider ist mein Lieblings Tattoo-Artist in Russland geblieben, deswegen verzögert sich das alles.

Wurden alle Tattoos bei demselben Tätowierer gestochen? Wie hast Du den Tätowierer ausgewählt und wer hat die Skizze(n) für Dich gemacht?

Ich hab sie von 6 Tätowierern. Fünf davon waren aus meiner Heimat Nowosibirsk und einer aus Berlin. Besonders möchte ich Marishka Mishka (NSK) und Sajo Suriel (Berlin) erwähnen. Diese Mädels sind nicht nur großartige Künstler, sondern auch gute Freunde. Die Skizzen für meine Tattoos basieren zum größten Teil auf Bildern aus dem Netz. Aber jedes Motiv wird so abgeändert, dass es wieder originell wirkt. Ich habe noch nie jemanden mit ähnlichen Tattoos getroffen.

Tattoos stechen zu lassen ist schmerzhaft. Wie kannst Du die Schmerzen während der Sitzung aushalten, was lenkt Dich ab?

Es kommt auf die Stelle an. Es gibt sehr schmerzhafte Stellen und relativ unsensible. Ich versuche, so oft wie möglich ein Betäubungsmittel zu benutzen.

Hast Du jemals bereut ein Tattoo stechen zu lassen?

Wie ich schon sagte, mein erstes Tattoo war nicht so der Hammer, aber ich bereue es nicht.

Welche Tattoos bzw. welche Tattoo-Arten sind für dich tabu? Was würdest du nie im Leben machen lassen und was magst du an anderen Leuten nicht sehen?

Ich bin froh, keine Tattoos mit dem Bezug zu anderen Menschen zu haben. Zu 99% werde ich nie ein Pärchen-Tattoo machen lassen. Was andere mit deren Körpern machen, geht mich nichts an. Aber ich verstehe nicht, wozu die Menschen Home-Made-Style Tattoos haben wollen oder zu kleine Pop-Motive.

Man sagt, dass Tattoos süchtig machen. Wenn man erstmal angefangen hat, kann nicht mehr aufhören. Stimmt das?

Die Zeit vergeht und du hörst auf, die Tattoos auf deinem Körper überhaupt zu bemerken. Vielleicht kommt deswegen die Lust, etwas Neues zu bekommen. Ich finde es aber wichtig, auf einem guten Niveau aufzuhören.

In Moment sind Tattoos sehr modern geworden. Viele Leute denken nicht darüber nach, dass sie ein Tattoo das ganze Leben lang tragen müssen, sie wollen einfach cool sein und was auf der Haut haben. Solche Leute kommen oft mit der Aussage zum Tätowierer, zeig mir mal, was du hast. Das macht aus einem Tätowiererkünstler einfach einen Dienstleister. Was denkst du darüber?

Das stimmt. Man kann andere gar nicht mehr schockieren, weil man ein Tattoo hat. Aber man kann andere mit guter Qualität und originellen Motiven überraschen. Und ich finde, dass sich wirkliche Anhänger der Tattoo-Kultur optisch immer von Leuten unterscheiden werden, die Tattoos nur aus modischen Gründen haben.

Ich möchte gern auch den sozialen Aspekt von Tattoos ansprechen. Früher wurde oft gesagt, dass Tattoos asozial sind und dass du nicht erfolgreich sein oder keine „guten“ Jobs finden kannst, wenn du Tattoos hast. Hat sich in den letzten Jahren das Bewusstsein und Wahrnehmung der Leute geändert oder bestehen diese Vorurteile noch weiter?

Ich wurde schon von Menschen vorverurteilt, als ich noch gar keine Tattoos hatte. Das kam durch die Gotik-Subkultur. Die Russen sind konservativer als die Deutschen, aber im Großen und Ganzen konnte ich immer einen Job finden. Ich will aber auch kein Top-Manager sein.

Zu guter Letzt… was empfiehlst Du unseren Lesern, die ihr erstes Tattoo planen? Worauf sollten sie achten bzgl. Auswahl des Studios, des Tätowierers, der Stilrichtung… Welche Ratschläge hast Du?

Ich kann nicht sagen, welche Farben benutzt werden sollten. Größe und Stelle sollten angemessen sein und man sollte andere nicht kopieren. Man sollte sich keine Motive aus einer Laune heraus aussuchen, sie sollten gut überlegt sein, es tut nämlich weh, ein Tattoo wegzulasern. Wenn du Freunde mit Tattoos hast, frag nach deren Meinung und besuch Tattoo-Conventions. Dem Tätowierer musst du vertrauen, er ist verantwortlich für deine Gesundheit und Schönheit. Wenn du bereits ein Tattoo hast: PFLEGE ES! Sonnenschutz-Creme und Bodylotion sollten deine Freunde werden.

Project by Daria Tessa and Daniela Vorndran, Interview by Daria Tessa

Photos: Photo 1: Ronny Jau, Photo 2-8: Sven Hegewald

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