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Special: Artists and their Tattoos: Ringo Klemm (drums) from TENSIDE

Heute will ich Euch Ringo Klemme vorstellen, den Schlagzeuger der deutschen Metal-Band TENSIDE. Die Band arbeitet gerade an einer neuen Platte und den Vorbereitungen zum Release. Vor ein paar Tagen wurde auch bekannt, dass sie KILLSWITCH ENGAGE auf ihrer Europa-Tour begleiten werden. Die Tour startet am 14.10 und endet am 10.11 und umfasst 21 Shows. Also wenn ihr nach unserem Interview TENSIDE mal live sehen wollt, ist das Eure Chance. Aber jetzt zum allerwichtigsten in diesem Projekt – zurück zu dem Tattoos.

Wann wurde das erste Tattoo bei Dir gestochen und für welches Motiv hast Du Dich entschieden? Wie lange musstest Du darüber nachdenken?

Mein erstes richtiges Tattoo habe ich pünktlich zu meinem 18ten Geburtstag machen lassen. Damals, ist ja auch schon ein paar Tage her, habe ich mich für ein Tribal mit Blumen entschieden. Darüber habe ich leider nicht lange genug nachgedacht, jetzt ist es aber ein Teil von mir und wird es so auch sicherlich bleiben.

Wie viele Tattoos hast Du insgesamt? Gibt es davon welche von denen Du eine Geschichte erzählen könntest/möchtest und was sie Dir insbesondere bedeuten?

Wie viele Tattoos ich insgesamt habe kann ich leider nicht so ganz genau sagen, irgendwo um die 50 Stück müssten das momentan sein. Generell haben fast alle meine Tattoos eine Geschichte. Oft geht es dabei um mich als Person und meine Interessen, ab und an ist es einfach eine lustige Situation die zum Tattoo geführt hat und manchmal geht es um Musik die mich in einem bestimmten Lebensabschnitt begleitet hat. Das „Never saw it coming“ Tattoo auf meinem Handrücken bringt das ganz gut zum Ausdruck.

Planst Du Dir weitere Tattoos stechen zu lassen?

Bisher ist schon noch einiges an Fläche übrig, demnach geht das sicher auch noch eine Zeit weiter. Wie genau und wann steht aber noch nicht fest, ich möchte das gerne spontan machen und wenn es sich gut anfühlt. Ich verstehe nicht wie sich viele junge Leute in so kurzer Zeit alles volltätowieren lassen. Man lebt ja nicht nur bis man 30 ist.

Wurden alle Tattoos bei demselben Tätowierer gestochen? Wie hast Du den Tätowierer ausgewählt und wer hat die Skizze(n) für Dich gemacht?

Meine Tattoos sind von vielen verschiedenen Tätowierern gemacht worden. Zumeist kenne ich die Leute schon lange bevor ich mich von Ihnen stechen lasse. Mir ist wichtig, dass ich dem Typen der auf mir arbeitet vertrauen kann und wir uns auch zwischenmenschlich gut verstehen. Leute die öfter auf mir Arbeiten sind definitiv auch private Freunde von mir, da ich finde das Tattoos etwas sehr persönliches sind und einen nur Freunde da richtig verstehen. Die Skizzen fertigt bei mir der entsprechende Tätowierer selbst an. Ich möchte niemanden dazu zwingen etwas zu stechen, was nicht selbst von ihm gezeichnet wurde.

Tättowierer:

https://www.instagram.com/maxludwigtattoo/ (Hände, Finger, Kopf) https://www.instagram.com/pablo_felipe_tattoo_artist/ (Hals)

 

Wie lange hat die längste Sitzung gedauert?

Die längste Sitzung ging 8 Stunden und war damals auf der Brust. So lange würde ich mich nicht mehr freiwillig hinsetzten, man wird ja auch nicht jünger.

Tattoos stechen zu lassen ist schmerzhaft. Wie kannst Du die Schmerzen während der Sitzung aushalten, was lenkt Dich ab?

Ich rede viel mit meinen Tätowierern. Das ist auch ein Punkt weswegen ich eigentlich ausschließlich zu Freunden gehe. Da hat man einfach mehr Themen und muss nicht mit dem typischen Smalltalk beginnen oder erst warm mit seinem Gegenüber werden.

Hast Du jemals bereut ein Tattoo stechen zu lassen?

Es gibt schon ein paar Tattoos die ich so jetzt nicht mehr machen lassen würde. Generell kommt aber lasern oder überstechen für mich gar nicht in Frage. Immerhin beschreibt ja jedes Tattoo auch irgendwie eine Phase, in der man sich befunden hat. „Fehler“ und kleine Makel machen einen ja auch aus, das gilt für mich auch in punkto Tattoos.

Welche Arten von Tattoos sind für Dich tabu, welche würdest Du niemals stechen und Dir auch niemals stechen lassen?

Allem voran natürlich Nazisymboliken oder Tattoos die bestimmte Gruppen diskriminieren. Ansonsten möchte ich eigentlich nichts wirklich ausschließen, Geschmäcker können sich ja doch immer mal ändern bzw. sind ohnehin grundverschieden.

Es heißt, es macht süchtig, sich tätowieren zu lassen – hat man einmal damit angefangen kann man nicht mehr aufhören. Wie siehst Du das?

Ich bin nicht der Meinung das Tattoos süchtig machen. Man merkt ja ganz schnell ob einem Tätowierungen gefallen bzw. man mehr davon möchte oder ob das vielleicht auch nur eine einmalige Sache war. Jeder entscheidet am Ende selbst wie exzessiv dieses „Hobby“ wird.

Im Moment ist es modern sich tätowieren zu lassen, viele Leute denken gar nicht darüber nach, dass sie das Tattoo das ganze Leben tragen müssen. Sie wollen cool sein und mit dem Strom schwimmen. Oftmals kommen sie zum Tätowierer mit der Aussage „zeigen Sie mir, was Sie haben“. Wie denkst Du darüber? Der Tätowierer arbeitet dann nicht mehr als Künstler sondern wird zum „Massenproduzenten“.

Nachdem man ja nun über Jahrzehnte für die Akzeptanz von Tattoos gekämpft hat braucht einen diese Entwicklung ja auch nicht zu wundern. Ich für meinen Teil bin froh nicht mehr so schräg angeschaut zu werden. Natürlich sind Hände, Hals und Gesicht / Kopf immer noch ein Thema, das wird aber auch hoffentlich so bleiben. Irgendwo macht die Mode ja im Zweifel dann doch halt und man hat noch etwas Freiraum ohne den Modequatsch.

Früher herrschte die verbreitete Meinung Tattoos seinen asozial – man hatte Schwierigkeiten eine Anstellung zu finden. Hat sich diese Meinung heute geändert oder muss man noch immer mit Vorurteilen rechnen?

Nachdem die Akzeptanz ja nun da ist, fällt es zunehmend leichter auch gute Jobs als tätowierter zu finden. Ich selbst arbeite ja auch noch neben der Band in einem 9 to 5 Job. Wobei man auch dazu erwähnen muss, dass ich bisher noch nie Probleme hatte eine Anstellung trotz Tattoos zu finden.

Zu guter Letzt… was empfiehlst Du unseren Lesern, die ihr erstes Tattoo planen? Worauf sollten sie achten bzgl. Auswahl des Studios, des Tätowierers, der Stilrichtung… Welche Ratschläge hast Du?

Kids, bitte macht euch Gedanken über das Motiv und die Stelle eurer ersten Tattoos. Vermeidet zu Beginn sichtbare stellen und testet erstmal wie wohl ihr euch damit fühlt. Ein guter Tätowierer sollte ohnehin weder Hals noch Hände für ein erstes Tattoo akzeptieren. Ansonsten solltet ihr dem Leitsatz „Qualität hat ihren Preis“ immer im Kopf haben. Das gilt nicht immer, ist aber eine gute Faustregel um eine Vorauswahl zu treffen.

Project by Daria Tessa and Daniela Vorndran, Interview by Daria Tessa

Photos:  Picture 1 and 5 by Inhale Production (https://www.instagram.com/inhaleproduction/), Picture 6 by Timo Der Knipser(instagram.com/timo_der_knipser/),   Picture 3 and 7 by Gregor von Matterhorn (https://www.instagram.com/gregorvonmatterhorn/), Picture 2,4,5 by Ringo Klemm

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