Cityguide Rhein Neckar
Interviews

Special: Artists and their Tattoos – Sasa Stubbs

Unser heutiger Gast ist Sasa Stubbs, ein Musiker, der machen darf, was auch immer er will. Seine Musik ist wie er: emotional, bedacht und manchmal auch abstrakt und experimentell.

Am 15.02.2019 wird sein Album „Dream Of California“ (https://itunes.apple.com/us/album/dream-of-california/1450617591) veröffentlicht. Das Album ist sehr stark Trap & Rock orientiert. Da sind wir sehr froh, dass Sasa in dem ganzen Vorbereitungsstress die Zeit gefunden hat, mit uns über seine zahlreichen Tattoos zu sprechen.

Wann wurde das erste Tattoo bei Dir gestochen und für welches Motiv hast Du Dich entschieden? Wie lange musstest Du darüber nachdenken?

Mein erstes Tattoo habe ich mit 16 Stechen lassen. Das war super spontan und meine Mutter hat mich begleitet ahahah. Ich habe mir ein Herz stechen lassen, welches an ein Kreuz genagelt war. Das Kreuz habe ich inzwischen covern lassen, das Herz ist noch da.

Wie viele Tattoos hast Du insgesamt? Gibt es davon welche von denen Du eine Geschichte erzählen könntest/möchtest und was sie Dir insbesondere bedeuten?

Ich sehe Tattoos als Gesamtkunstwerk und kann auch gar keine genaue Zahl nennen. Viele fragen mich, warum ich mir als Mann so viele Blumen stechen lasse. Ich finde dieses stereotypische Mann-Frau Denkmuster nicht sonderlich gut. Blumen erinnern mich immer an die Kurzlebigkeit. Unser Leben mag uns zwar lang vorkommen, aber eigentlich ist es ein kleiner Windstoß in einem riesigen Universum. Dieses Denken möchte ich mir immer vor Augen halten, um mich daran zu erinnern, dass ich Dinge wagen muss um zu leben. Vor allem aber auch um mein Leben so zu gestalten wie es mir gefällt und die Dinge nicht immer auf morgen zu verschieben. Denn wer weiß, was morgen sein wird.

Mein erstes Gesichts-Tattoo bedeutet mir auch sehr viel. Das “Fade Away” an meiner Stirn hat einen ähnlichen Bezug wie die Blumen. Das besondere ist jedoch der Platz. Mit einem Gesichts-Tattoo bekommt man viel schwieriger eine “normale” Arbeit und ich wollte mich selbst daran hindern in Zukunft den Fehler zu machen zurück zu einem 9 to 5 Job zu kehren. 

Hast du schon alle Tattoos gemacht die du wolltest oder kommt noch was dazu?

Mein Plan ist es irgendwann komplett voll zu sein (außer das Gesicht). Ich habe auch viele unfertige Motive, die ich noch fertig machen muss. Doch da bin ich ehrlich gesagt zu faul dazu ahahah. Meine Front und mein Rücken werden komplett japanisch. Da sind bisher fast nur Linien drauf. Auf meinen Beinen ist auch noch viel Platz. Die möchte ich mir etwas aufsparen für’s Alter. Denn auf Tour möchte man ja auch viele kleine Momente festhalten. Mein nächstes Tattoo wird wahrscheinlich das Wort “Commitment”, denn aktuell denke ich viel daran, wie wichtig es ist sich im Leben festzulegen. Ob es im Beruf ist, in den Freundschaften. in der Liebe, bei Tattoos oder in den kleinsten Situationen im Leben. Unsicherheit hält einen oft nur auf. Und “das Richtige” gibt es oft sowieso nicht. Also muss man sich einfach festlegen.

Durch solche Philosophien entstehen übrigen die meisten meiner Tattoo Ideen.

Wurden alle Tattoos bei demselben Tätowierer gestochen? Wie hast Du den Tätowierer ausgewählt und wer hat die Skizze(n) für Dich gemacht?

Naja, den richtigen Tätowierer zu finden war gar nicht so schwer. Meine Frau Aline Petunia ist nämlich Tätowiererin und hat auch die meisten Tattoos auf mir gestochen, als auch entworfen. Ihre Entwicklung ist sogar auf mir zu sehen, denn als sie angefangen hat zu tätowieren, da waren wir bereits zusammen. Ich war also sozusagen von Anfang an das Versuchskaninchen ahahah. Ihre Zwillingsschwester Alena Petunia ist auch Tätowiererin und hat auch schon vieles auf mir gestochen. Die beiden sind wirklich ein Einzelfall und großartige Menschen. Ich sage immer, dass sie irgendwann noch ganz groß rauskommen werden. Zusammen modeln sie für alternative Streetwear und sind sehr aktiv auf Instagram. @Petunia Twins.

Tattoos stechen zu lassen ist schmerzhaft. Wie kannst Du die Schmerzen während der Sitzung aushalten, was lenkt Dich ab?

Das kommt jetzt vielleicht unerwartet, aber ich denke, dass Ablenkung der falsche Weg ist um den Schmerzen auszuhalten. Ich hasse die Schmerzen, wirklich. Aber ich versuche mich immer auf sie zu konzentrieren und den Schmerz zuzulassen. Irgendwie klingt das ziemlich buddhistisch, aber wenn ich den Schmerz verstehe, dann macht er mir gar keine Angst mehr und lässt sich viel besser aushalten. Manchmal frage ich mich, wie ich überhaupt so viele Tattoos machen konnte. Ich finde Schmerzen schrecklich.

Hast Du jemals bereut ein Tattoo stechen zu lassen?

Ein Tattoo zu bereuen ist so ähnlich, wie sein früheres “Ich” zu leugnen. Jedes Tattoo hatte zu seiner Zeit seine Begründung. Und nur weil die Begründung nicht mehr zu trifft, heißt es nicht, dass das Tattoo seine Berechtigung verloren hat. Ganz im Gegenteil. Das erinnert daran, wie man sich verändert hat. Und selbst wenn mir ein Tattoo nicht mehr so sehr gefällt. Wenn das mein größtes Problem wäre, dann ginge es mir ja ziemlich gut ahahah.

Welche Arten von Tattoos sind für Dich tabu, welche würdest Du niemals stechen und Dir auch niemals stechen lassen?

Dinge, die mit Fußball zu tun haben. Ich hasse Fußball. Tribals und Endlosschleifen. Durch meine Frau, weiß ich welche Tattoos wirklich No-Go sind. Ich denke das beeinflusst mich sehr.

Es heißt, es macht süchtig, sich tätowieren zu lassen – hat man einmal damit angefangen kann man nicht mehr aufhören. Wie siehst Du das?

Das ist definitiv richtig. Wahrscheinlich ist es aus meiner Sicht einfach gesagt, da ich irgendwie zu allgemeinem Suchtverhalten tendiere. Aber ich beobachte auch Freunde, die sich nur ein Tattoo machen lassen wollten und im Nachhinein wurde es doch der ganze Arm. Man verliert auch den Respekt davor, ehrlich gesagt. Ich würde es allerdings nicht als Sucht bezeichnen. Es ist irgendwie eine Ausdrucksweise, die es Menschen ermöglicht ein Statement zu setzen. So sehe ich das zumindest. Ganz ehrlich, wer würde sich noch tätowieren lassen, wenn man auf einer einsamen Insel leben würde? Und jetzt nicht lügen…!!

Im Moment ist es modern sich tätowieren zu lassen, viele Leute denken gar nicht darüber nach, dass sie das Tattoo das ganze Leben tragen müssen. Sie wollen cool sein und mit dem Strom schwimmen. Oftmals kommen sie zum Tätowierer mit der Aussage „zeigen Sie mir, was Sie haben“. Wie denkst Du darüber? Der Tätowierer arbeitet dann nicht mehr als Künstler, sondern wird zum „Massenproduzenten“.

Das Tätowieren war ja schon immer irgendwie eine Kultur für sich. Seit vielen Jahren hat das irgendwie überhand ergriffen und es wurde zu einem normalen Gesellschaftsding. Wobei es wahrscheinlich auch abhängig von der jeweiligen Kultur des Landes abhängig ist, wo man lebt. Menschen, die sich einfach etwas tätowieren lassen möchten sind im Grunde genommen gute Leinwände für Künstler. Wenn ein Kunde genau weiß, was er möchte, dann ist der Tätowierer in dem Fall nur der “Produzent”. Doch jemand der keine Peilung hat, da kann sich der Tätowierer schon eher entfalten. Ich sehe das bei Aline und Alena. Sie freuen sich über jeden Kunden der keine Meinung hat ahahah. Ok, das klingt jetzt böse, ist aber nicht so gemeint. Ich bin da wahrscheinlich eher ein schlimmer Kunde, denn ich weiß meistens genau was ich möchte.

Früher herrschte die verbreitete Meinung Tattoos seinen asozial – man hatte Schwierigkeiten eine Anstellung zu finden. Hat sich diese Meinung heute geändert oder muss man noch immer mit Vorurteilen rechnen?

Inzwischen, finde ich, werden tätowierte Menschen oftmals bevorzugt um einem Laden mehr “Jugendstil” zu verpassen. Das ist aber auch irgendwie unfair. Eigentlich sollte man das Äußere komplett ausblenden, was fast schon unmöglich ist. Im Alltag allerdings wird man oft schräg angeschaut und anders behandelt. Doch das nehme ich den Menschen gar nicht mehr übel. Oftmals ist das auch mehr eine Verwunderung als eine Ablehnung. Ich meine, ich würde mich wahrscheinlich über mich selbst wundern, ahahah. Ganz oft bekommt man aber auch Komplimente. Man muss sich wirklich auf alles einlassen können, wenn man sich für Tattoos entscheidet.

Zu guter Letzt… was empfiehlst Du unseren Lesern, die ihr erstes Tattoo planen? Worauf sollten sie achten bzgl. Auswahl des Studios, des Tätowierers, der Stilrichtung… Welche Ratschläge hast Du?

Ich empfehle euch eins… Denkt nicht zu lange darüber nach!!!

Project by Daria Tessa and Daniela Vorndran, Interview by Daria Tessa

Title Picture by Ylva Sommer, all other pictures Sasa Stubbs.

 

ähnliche Beiträge

Interview mit Produzent Graham King

Boris Korpak

Special: Artists and their Tattoos

Boris Korpak

Interview Special: Artists and their Tattoos: Tim Petrasch (Guitar, Vocal) from even temper

Boris Korpak

Diese Website benutzt Cookies. Wenn du die Website weiter nutzt, gehen wir von deinem Einverständnis aus. Akzeptieren mehr Lesen

Datenschutz- und Cookie-Richtlinien