Arbeitssieg mit Licht und Schatten

Rhein-Neckar Löwen zeigen sich bei 32:29 gegen TSV GWD Minden verbessert, machen aber immer noch ungewöhnlich viele Fehler


Jerry Tollbring machte ein Superspiel.
Nach drei Niederlagen am Stück haben die Rhein-Neckar Löwen wieder gewonnen. Am Sonntagnachmittag feierten sie in der heimischen SAP Arena ein 32:29 (17:15) über TSV GWD Minden und schlossen damit den 14. Spieltag in der DKB Handball-Bundesliga mit einem verdienten Heimsieg ab. In der Tabelle ziehen die Löwen an Melsungen vorbei auf Platz vier, Minden bleibt Achter. Bester Löwen-Werfer war der auch als Passgeber glänzende Mads Mensah mit acht Toren. Zudem überragte Torwart Mikael Appelgren mit 17 Paraden und einer bemerkenswerten 37-Prozent-Quote. Für Minden traf Dalibor Doder sechsmal und damit am häufigsten.

Das Spiel litt unter einem veritablen Jojo-Effekt. Viermal hatten die Löwen einen 3:0-Lauf, verspielten diese genauso wie eine zwischenzeitliche Sechs- und Fünf-Tore-Führung in beiden Halbzeiten. „Immer, wenn wir das Spiel in den Griff bekommen konnten, haben wir zu viele Fehler gemacht. Da fehlt uns wohl das Selbstvertrauen“, sagte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen. Insgesamt sei er aber „glücklich über den Sieg und zufrieden damit, wie wir über weite Strecken gespielt haben.“ Als es in der zweiten Hälfte schwergeworden sei, habe Mads Mensah Verantwortung übernommen, sagte Jacobsen bei „Sky“. Frank Carstens lobte seine Mannschaft für eine couragierte Leistung und Alex Petersson für dessen Fair-Play-Geste, als er zu Beginn der zweiten 30 Minuten eine Zeitstrafe gegen Zvizej verhinderte, indem er zugab, nicht im Gesicht getroffen worden zu sein. Carstens dazu: „So etwas erlebt man selten.“

Löwen starten stark

Mikael Appelgren mit einer seiner tollen Paraden. Die Löwen sind zunächst auch sportlich auf den Punkt voll da. Im Innenblock beginnen Nielsen und Abutovic, Tollbring startet auf Linksaußen für Sigurdsson. Mads Mensah egalisiert die Treffer von Doder und Pusica zum 2:2 (3.), bereitet die erste Löwen-Führung durch Bogdan Radivojevic vor. Jesper Nielsen mit einem schönen Heber und wieder Radivojevic nach feinem Tollbring-Pass stellen auf 5:2. Es ist der erste 3:0-Lauf von insgesamt dreien in der ersten Halbzeit. Dass die Löwen sich dennoch nie ganz absetzen können, liegt nicht an Mikael Appelgren im Tor. Der Keeper der Gelben hält in der ersten Halbzeit elf Würfe, kommt zwischendurch auf eine Quote von überragenden 50 Prozent. Probleme bereiten den Mannheimern individuelle Aktionen: zum einen auf Seiten Mindens, wo insbesondere Pusica und Zvizej (beide je vier Tore) glänzen. Zum anderen auf Seiten der Badener, die immer wieder mal technische Fehler einstreuen und sich damit ein bisschen selbst aus dem Tritt bringen.

So arbeiten sich die Mindener von 5:2 auf 5:4 ran, nach dem 13:7 durch den superstarken Mensah (20., viertes Tor) auf 13:9. Nachdem Schmid für Kohlbacher das 16:11 serviert, sieht es nach einem klaren Halbzeitstand aus (25.). Die Ostwestfalen halten aber dagegen, zweimal Zvizej in rasantem Tempo hilft, auf 16:14 zu verkürzen. Jetzt kommt Steffen Fäth, erzielt in Bedrängnis sein erstes Tor zum 17:14. In die Halbzeit geht es dann mit 17:15. Und das, obwohl der fantastische Appelgren acht Paraden mehr stehen hat als das GWD-Gespann, Schmid den Ball gut laufen lässt, auch Petersson mehr Spielfreude zeigt, die Außen sich toll bewegen, Mensah eine Klasse-Halbzeit spielt. Es sind ein paar unnötige Fehler und die stark gegenhaltenden Mindener, die den Löwen in den ersten 30 Minuten das Leben schwermachen.  

Deutliche Führungen bringen keine Ruhe


Mads Mensah übernahm Verantwortung.
GWD wechselt in der Pause die Torhüter, Christensen kommt für Sonne – und feiert zum Einstand gleich eine Parade gegen Kohlbacher. Der Odenwälder lässt das nicht auf sich sitzen, revanchiert sich kurze Zeit später mit dem 18:16. Auch Appelgren ist gleich wieder präsent, nimmt zwei Mindener Schüsse weg und leitet den vierten 3:0-Lauf der Löwen ein. Tollbring, der ein starkes Spiel macht, trifft mit seinem vierten Tor zum 20:16 (34.). Beim 21:16 bringt der wieder einmal prächtig aufgelegte Mensah Kollege Nielsen ins Spiel, das 21:16 (35.) könnte Ruhe bringen in die Reihen der Badener. Doch auch diese Trefferserie zeitigt keine nachhaltige Beruhigung im Löwen-Spiel. Radivojevic leistet sich einen Fehlwurf, ein weiterer technischer Fehler kostet die nächste Abschlusschance. Minden ist beim 22:20 wieder dran (40.).

Jacobsen ärgert sich über die Fehlerquote im Angriff, bringt Fäth für Schmid. Zvizej bringt den Anschlusstreffer für Minden (22:21). Weil die Löwen wieder die Konzentration nicht hochhalten können, entwickelt sich noch einmal ein kleiner Krimi. Sinnbildlich für das Auf und Ab des Spiels die Szene in Minute 45: Erst leistet sich Mensah einen Fehlpass, dann holt er sich den Ball direkt wieder in der Abwehr zurück. Die Gelben sind bereit zu kämpfen, sie beißen sich durch die schlechte Phase, kassieren beim 24:23 und 25:24 die nächsten Anschlusstreffer (48./49.). Schmid kommt zurück auf die Platte. Kohlbacher wühlt vorbildlich, macht das 26:24. Tollbring beweist Nerven, versenkt mit seinem fünften Treffer zum 27:24 vom Siebenmeter-Strich. Als Mensah zwei Tore nachlegt (28:25, 29:26), Appelgren die 17. Parade landet und Kohlbacher das siebte Mal trifft, steht es 30:26 – fünf Minuten vor dem Ende ist die Partie so gut wie entschieden. Nun bleiben auch die Löwen endlich am Ball, lassen sich nicht mehr aus der Ruhe bringen und feiern mit den wie immer bestens aufgelegten Fans zusammen den ersten Sieg nach drei Niederlagen in Serie. Es ist ein Arbeitssieg mit spielerischen Lichtblicken, aber auch einigem Schatten. 

Text Rhein-Neckar Löwen // Bild DG CGRN

Rhein-Neckar Löwen – TSV GWD Minden 32:29 (17:15)

Löwen: Appelgren, Palicka – Schmid (3/2), Lipovina, Sigurdsson, Radivojevic (3), Tollbring (5/2), Abutovic, Mensah (8), Fäth (2), Taleski, Guardiola, Petersson (2), Nielsen (2), Ganz, Kohlbacher (7)

GWD: Christensen, Sonne – Mansson (1), Nowatzki, Savvas Savvas (3), Padschywalau, Korte, Strakeljahn, Pusica (5), Gullerud (3), Michalczik (2), Kister, Doder (6/2), Gulliksen (2), Cederholm (2), Zvizej (5)

Trainer: Nikolaj Jacobsen – Frank Carstens

Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah / Suresh Thiyagarajah (Leipzig)

Zuschauer: 7247

Strafminuten: Abutovic (2), Nielsen (2) – Gullerud (2)

Siebenmeter: 4/5 – 2/3

Löwen: Zvizej wirft Siebenmeter an die Latte (18.)

GWD: Christensen hält Siebenmeter von Schmid (27.)

Spielfilm: 0:1, 1:2, 5:2, 5:4, 6:4, 7:6, 10:6, 10:7, 13:7, 13:8, 14:10, 16:11, 16:14, 17:15 (HZ), 17:16, 21:16, 21:18, 22:20, 23:22, 24:23, 25:24, 27:24, 28:26, 30:26, 32:29 (EN)

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