Handball-Fest der Extraklasse

Rhein-Neckar Löwen schlagen amtierenden Champions-League-Sieger mit 37:27 (16:13)


Die Löwen feiern ihren Kantersieg.
Getragen von einer bombigen Abwehrleistung und neu gewonnener Spielfreude haben die Rhein-Neckar Löwen am Mittwochabend in der SAP Arena ein Handball-Fest der Sonderklasse gefeiert. Gegen den amtierenden Champions-League-Sieger Montpellier HB waren die Gastgeber über die gesamte Spielzeit in Front, gewannen am Ende auch in der Höhe verdient mit 37:27 (16:13). Bester Löwen-Werfer war Gudjon Valur Sigurdsson mit elf Toren. Bei Montpellier, das viel zu viele Fehler produzierte und in der Abwehr nie Zugriff fand, traf Melvyn Richardson zehnmal. In Gruppe A der VELUX EHF Champions League verbessern sich die Löwen auf Rang zwei. Montpellier bleibt Vorletzter.

„Das war ein sehr gutes Spiel von uns. Mit zehn Toren gegen den Titelverteidiger zu gewinnen, damit war nicht zu rechnen. Wir haben super in der Abwehr gestanden, das war die Grundlage“, sagte ein zufriedener Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen und fügte hinzu: „Manchmal ist Handball ganz einfach. Wenn die einen mit Selbstvertrauen spielen und die anderen nicht, läuft es so wie heute.“ Löwen-Kapitän Andy Schmid lobte die wieder gewonnene Lockerheit – und seinen Abwehrchef. „Gede hat wieder mehr Sicherheit und hat mich heute, nach seiner langen Verletzung, wieder an die alten Zeiten erinnert.“ Guardiola selbst, der im Innenblock schier zahllose Top-Aktionen hatte, blockte, Bälle stahl, arbeitete wie ein Berserker, wirkte nach dem Spiel befreit: „Ich habe mich lange nicht gut gefühlt. Nun, in der Nationalmannschaftspause, habe ich den Kopf freibekommen.“

Blitzstart der Löwen


Gedeón Guardiola packt entschlossen zu.
Die Weichen zu diesem faszinierenden Handball-Abend stellen die Mannheimer direkt vom Start weg. 82 Sekunden dauert es, bis Andy Schmid seinen kongenialen Partner am Kreis findet. Das 1:0 durch Jannik Kohlbacher ist das erste Löwen-Statement. Auf der Gegenseite legt Gedeón Guardiola in der Abwehr nach, blockt und bereitet so eigentlich das 2:0 vor – doch Gudjon Valur Sigurdsson scheitert an MHB-Keeper Vincent Gerard. Kurz darauf korrigiert der Isländer seinen Schnitzer, stellt auf 2:0. Nach einem Steal von Guardiola versenkt Alexander Petersson den Gegenstoß zum 3:0: Der Löwen-Blitzstart ist perfekt.

Montpellier findet nicht nur in der Anfangsphase schwer ins Spiel. Die Gäste aus Frankreich spielen zu sehr in die Breite, es fehlen Stoßbewegungen und Tiefe im Offensivgang. Das liegt aber auch an der 6:0 der Löwen, die klasse verschiebt und den MHB-Angreifern keine Lücken anbietet. So ziehen die Badener bis zum 10:4 sogar auf sechs Tore weg, ehe die Franzosen durch eine Abwehrumstellung mehr Stabilität in die eigenen Reihen bekommen. Melvyn Richardson geht in Manndeckung gegen Andy Schmid, insgesamt hält der Titelverteidiger jetzt besser gegen die Attacken der Löwen.

Kohlbacher am Kreis nicht zu halten


Jannik Kohlbacher bei einem seiner neun Treffer.
Beim 11:7 nimmt Nikolaj Jacobsen seine erste Auszeit, justiert ein wenig nach. Doch den Anfangsschwung bekommen die Löwen nun nicht mehr auf die Platte. Montpellier spielt seine Angriffe nun noch länger, geduldiger und auch geschickter aus. Beim 14:13 sind die Blauen nach einem 3:0-Lauf dran an den Gelben, haben beim 15:13 kurz vor der Pause die Chance, noch einmal den Anschluss zu markieren. Doch Mikael Appelgren, der eine starke erste Hälfte spielt, setzt seine siebte Parade und Sigurdsson trifft mit der Halbzeitsirene zum 16:13. Kohlbacher geht mit einer überragenden Vorstellung und fünf Toren in die Kabine, Steffen Fäth mit drei blitzsauberen Treffern bei drei Versuchen.

Zu Durchgang zwei kommt Andreas Palicka für den leicht angeschlagenen Appelgren ins Tor. Seine erste Aktion: eine Parade. Vorne treffen die Löwen schnell zweimal, bauen die Führung wieder auf komfortable fünf Tore aus. Kohlbacher erzielt beim 20:16 sein sechstes Tor. Guardiola schraubt seine Top-Leistung sogar noch höher, angelt sich den nächsten Montpellier-Ball und bringt den Gegenstoß persönlich zum 22:17 unter. Schmid und Palicka mit einem Torwarttreffer in den leeren Kasten stellen in der 38. Minute auf 24:17, Sigurdsson mit einem Dreierpack auf 28:20. Montpellier droht jetzt sogar ein Debakel. Immerhin berappelt sich der Titelträger, hält dagegen, verkürzt auf 28:22.

Die Löwen juckt das nicht. Sie beginnen jetzt sogar zu zaubern: Sigurdsson wird am Kreis frei rotiert, macht das 30:23, Groetzki serviert Kohlbacher mit einem Traumpass das 31:24, Schmid mit einem Zauberanspiel Nielsen das 35:26. Vier Minuten vor dem Ende stehen nahezu alle Fans in der SAP Arena und feiern ihre Mannschaft für ein phänomenales Handball-Fest. Nach 60 Minuten steht es 37:27 – gegen den amtierenden Champion. Mit einem Wort: unfassbar!

Text Rhein-Neckar Löwen // Bilder D.Glaser CGRN

Rhein-Neckar Löwen – Montpellier HB 37:27 (16:13)

Löwen: Appelgren, Palicka (1) – Schmid (5/2), Lipovina (1), Sigurdsson (11/1), Radivojevic, Tollbring, Abutovic, Mensah (1), Fäth (3), Groetzki, Taleski, Guardiola (2), Petersson (2), Nielsen (2), Kohlbacher (9)

MHB: Gerard, Portner – Villeminot (4), Causse, Truchanovicius, Grebille (3), Guigou, Pettersson, Richardson (10/3), Kavticnik (1), Bonnefond (2), Faustin, Porte (4), Afgour, Soussi, Mamdouh (3)

Trainer: Nikolaj Jacobsen / Patrice Canayer

Schiedsrichter: Jesper Kirkholm Madsen / Henrik Mortensen (Dänemark)

Zuschauer: 3285

Strafminuten: Abutovic (2), Guardiola (4) – Villeminot (2), Guigou (2)

Siebenmeter: 3/4 – 3/4

Löwen: Gerard hält Siebenmeter von Schmid (38.)

MHB: Appelgren hält Siebenmeter von Kavticnik (11.)

Spielfilm: 3:0, 3:1, 5:1, 6:4, 10:4, 11:7, 13:9, 14:12, 16:13 (HZ), 18:13, 20:16, 22:17, 24:17, 25:20, 28:20, 29:23, 31:25, 34:26, 37:27 (EN)

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