Verbesserte Löwen scheitern an Teufelskerl Mikler

Veszprém-Torwart mit 21 Paraden bei 25:29-Niederlage in der VELUX EHF Champions League

Mit 25:29 (13:14) haben die Rhein-Neckar Löwen am Mittwochabend ihr Heimspiel in der VELUX EHF Champions League verloren. Gegner Telekom Veszprém hatte in Roland Mikler einen überragenden Torhüter und nutzte die Fehler der Gastgeber konsequent aus. In der Tabelle der superstarken Gruppe A schlossen die Ungarn mit einer Bilanz von 10:8 zu den Löwen auf. Beste Werfer waren Mads Mensah (6) auf Seiten der Badener und Kentin Mahé (7) bei Veszprém.

„Ich bin mit unserem Spiel über weite Strecken zufrieden, es war die erhoffte Reaktion nach den schlechteren Spielen gegen Montpellier und Flensburg“, sagte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen. Den Ausschlag habe die schlechtere Chancenverwertung gegeben – und ein starker Mikler im Tor der Ungarn (21 Paraden). Jacobsen: „Irgendwann haben dann auch die Kräfte nachgelassen nach dem Spiel am Montag in Flensburg. Und wenn du weniger Selbstvertrauen hast, tust du dich im Abschluss schwer.“ Jannik Kohlbacher wollte auch die positiven Ansätze betonen: „Das war ein ganz anderer Auftritt als in Flensburg. Wir haben besser in der Abwehr gestanden und auch vorne ein anderes Gesicht gezeigt. Entschieden haben das Spiel die vergebenen freien Würfe und die daraus resultierenden Gegenstöße für Veszprém.“ Tatsächlich zeigten die Löwen über weite Strecken eine solide Leistung, teilweise schönen Offensivhandball. Fehler machten sie dennoch zu viele – vor allem vor dem gegnerischen Tor.

Nervöser Start mit starken Torhütern

Rund läuft es zunächst auf beiden Seiten nicht: Einfache Ballverluste und Fehlwürfe prägen das Bild der Startphase, in der sich vor allem beide Torhüter auszeichnen können. Löwen-Keeper Palicka hält gleich den ersten Schuss auf seinen Kasten, Kohlbacher macht das 1:0. Nach Blagotinseks Ausgleichs sorgt Tönnesen für die erste Veszprém-Führung (4.) – nach einem Löwen-Ballverlust. Nun übernimmt Kentin Mahé das Ruder bei den Gästen, trifft zum 1:3 (5.) und 4:5 (9.). Mikler hält einen Siebenmeter von Sigurdsson (10.). Spektakulär, wie sich Kohlbacher im Rückwärtsfallen und mit dem Trikot halb über dem Kopf zum 5:6 durchwühlt. Die Partie ist zu diesem Zeitpunkt vogelwild. Palicka mit seiner fünften Parade stoppt den Lauf von Mahé, der prompt auf der Bank Platz nehmen darf.


Andreas Palicka hatte einen starken Tag.
Auch die Löwen wechseln durch – und zeigen vorne, was sie können. Radivojevic trifft aus ganz schwerem Winkel zum 7:7 (17.), Schmid zaubert auf Kohlbacher (19.). Auf der Gegenseite lässt Laszlo Nagy den Hammer raus, stellt auf 8:9 (19.). Die Ungarn überwinden ihre kurze Schwächephase, wieder Nagy macht das 9:12 (24.). Gegen die Riesen-Abwehr aus dem ungarischen Halbrechten, Blagotinsek, Terzic und Ilic brauchen die Löwen Tempo. Das kommt in Form von den sehr beweglichen Schmid, Mensah, Petersson und Jerry Tollbring, der den glücklosen Sigurdsson nach dessen Fehlwürfen stark ersetzt. Seine ersten beiden Würfe versenkt das schwedische Supertalent, verkürzt auf 10:12 (25.) nach starkem Mensah-Zuspiel und stellt den Halbzeitstand von 13:14 her. Davor gibt es allerdings auch noch ein Schmankerl von Andy Schmid auf Jesper Nielsen am Kreis (12:13, 27.). Die Löwen zeigen stellenweise ihre ganze Kunst, machen aber auch weiter ungewöhnlich viele Fehler. Beide Torhüter sind mit sieben (Palicka) und acht Paraden (Mikler) auf Kurs Spitzenleistung.

Mikler legt weiter zu

Nach der Pause bringt der immer besser werdende Mikler die nächste Glanztat an, bringt Petersson schier zur Verzweiflung. Weil Andy Schmid für einen Wechselfehler auf die Bank muss, starten die Löwen in Unterzahl. Taleski lässt sich davon nicht beirren, trifft zum 14:14. Mensah mit brachialem Zug zum Tor macht das 15:14, Kohlbacher das 16:15 (34.) nach starkem Mensah-Pass. Es soll das letzte Mal bleiben, dass die Löwen in Führung sind. Schmid trifft die Latte, Petersson wirft in den Block. Das Schusspech bringt Veszprém zurück in Front. Dieses Mal lassen es sich die Ungarn nicht mehr nehmen. Sie ziehen auf 16:19 weg. Jacobsen nimmt die Auszeit bei 17:21, doch seinen Jungs bleibt die Abschlussschwäche erhalten. Veszprém nutzt das eiskalt, läuft Gegenstöße, hämmert aus dem Rückraum. Beim 19:24 durch den starken Tönnesen sind die Roten, die heute ganz in Weiß auftreten, erstmals auf fünf Tore weg (47.).

Ehrenvoll, wie sich die Löwen nun gegen die Niederlage stemmen. Mit einem nochmals aufdrehenden Palicka im Tor und einem Doppelschlag von Tollbring kommen sie auf 23:26 heran, Mensah besorgt das 24:26. Die Wende scheint zum Greifen nah. Doch Veszprém behält die Nerven, nutzt seine Chancen weiter konsequent, so dass am Ende ein 25:29 aus Löwen-Sicht auf der Anzeigetafel steht. Gefeiert wird im großen Fan-Block der Gäste. Die Löwen-Anhänger zollen ihrem Team Respekt. Sie haben alles versucht – und am Ende wieder nichts gewonnen.

Text Rhein-Neckar Löwen // Bilder D.Glaser CGRN

Rhein-Neckar Löwen – Telekom Veszprém 25:29 (13:14)

Löwen: Appelgren, Palicka – Schmid (1), Lipovina, Sigurdsson (1), Radivojevic (3), Tollbring (5), Abutovic, Mensah (6), Fäth, Taleski (1), Guardiola (1), Petersson (1), Nielsen (1), Ganz, Kohlbacher (5)

Veszprém: Sterbik, Mikler – Manaskov (1), Ilic, Tönnesen (4), Gajic (2), Nilsson (3), Nagy (1), Marguc (1), Strlek (2), Terzic, Blagotinsek (1), Nenadic (4), Mahé (7/4), Mackovsek (3), Lekai

Trainer: Nikolaj Jacobsen – David Davies

Schiedsrichter: Dalibor Jurinovic / Marko Mrvica (Kroatien)

Zuschauer: 3552

Strafminuten: Schmid (2), Taleski (2) – Tönnesen (2), Terzic (4)

Siebenmeter: 0/2 – 4/4

Löwen: Mikler hält Siebenmeter von Sigurdsson (10.), Schmid wirft Siebenmeter an die Latte (16.)

Spielfilm: 1:0, 1:3, 3:3, 3:4, 4:5, 5:6, 6:7, 7:8, 8:10, 9:11, 9:12, 10:12, 10:13, 12:13, 13:14 (HZ), 15:14, 16:15, 16:19, 17:19, 17:21, 18:21, 19:22, 19:24, 20:25, 21:16, 24:26, 24:29, 25:29 (EN)

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