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Rhein Neckar Löwen

Zebras stürmen Mannheimer SAP Arena

Löwen kassieren erste Saisonniederlage gegen den THW Kiel

Die Rhein-Neckar Löwen haben die mit Spannung erwartete Partie gegen den Rekordmeister THW Kiel mit 24:27 (12:11) verloren. In der Nachholbegegnung des sechsten Spieltages der DKB Handball-Bundesliga zeigten die Norddeutschen vor 12.504 Zuschauern in der fast ausverkauften Mannheimer SAP Arena die geschlossenere Mannschaftsleistung. Mit einem mustergültigen Start in die zweite Halbzeit holten die Kieler nicht nur den Pausenrückstand auf, sondern stellten mit einem 5:0-Lauf zum 12:16 Zwischenstand (35.) vorzeitig die Weichen auf den wichtigen Auswärtssieg. Für die Löwen war die heutige Heimniederlage gleichzeitig die erste Saisonniederlage. Mit nun drei Minuspunkten stehen die Badener in der Tabelle nach Minuspunkten aber weiterhin einen Punkt vor den Kielern, die mit der heutigen Partie zwei Spiele mehr als die Löwen absolviert haben.

„Das war heute ein verdienter Sieg für den THW und wir haben uns das natürlich ganz anders vorgestellt. Eigentlich war Kiel in der ersten Halbzeit schon einen Schritt besser als wir, weil wir nicht 100 Prozent auf die Platte gebracht haben. Entscheidend waren die ersten fünf Minuten nach dem Wechsel. Wir kämpfen uns nach dem Vier-Tore-Rückstand wieder auf eins heran, dann steht das Spiel auf der Kippe, doch dann hält Niklas Landin gut und wir vergeben zwei Siebenmeter“, begründete Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen die am Ende dann doch deutliche Niederlage. „Wir wussten, dass es extrem schwierig wird und dass wir gut spielen müssen. Es war ganz entscheidend, direkt nach der Pause vier Tore nacheinander zu machen. Heute hatten wir eine gute Torhüterleistung und vorne haben wir konsequent die Tore gemacht“, freute sich Kiels Trainer Alfred Gislason dagegen über den Erfolg seiner Mannschaft.
   

Bereits vor dem Anpfiff glühte die Atmosphäre im weiten Rund der SAP Arena auf, als auf dem Videowürfel die Vertragsverlängerung von Löwen-Regisseur Andy Schmid bis 2022 gezeigt wurde. Und die prächtige Stimmung von den Rängen schwappte sofort auf das Spielfeld über, wo beide Teams gleich voll zur Sache gingen. Den besseren Start hatten dabei die Gäste von der Förde, die durch Miha Zarabec und den Ex-Löwen Harald Reinkind 2:0 in Front gingen.  Doch die Gastgeber ließen nicht locker, konterten geschickt und gingen – gestärkt durch Klasse-Paraden von Andreas Palicka – mit 4:3 durch Gudjon Valur Sigurdsson trotz Unterzahl erstmals in Front. Es entwickelte sich eine Partie auf Augenhöhe die in Andreas Palicka mit acht Paraden, darunter ein gehaltener Strafwurf von Niklas Ekberg, den stärksten Löwen hatte. Auf der anderen Seite war es immer wieder THW-Spielmacher Miha Zarabec, der mit seinen koordinierten Wackel-Angriffen ein ums andere Mal die Löwen Defensive in Verlegenheit brachte. Dies führte dazu, dass die Kieler „Zebras“ bis zum 10:11 wieder stets in Führung gehen konnten, ehe ein Kempatreffer von Sigurdsson nach toller Angriffskombination zum 11:11 die Arena ins Beben brachte. Als dann noch  Andy Schmid zwei Sekunden vor der Halbzeit  mit einem Schlagwurf die Löwen mit 12:11 in Führung warf, ging der Pausenpfiff im lautstarken Jubel der Zuschauer unter.

Eine Ein-Tore-Führung und Anwurf für die Hausherren zu den zweiten dreißig Minuten waren die Chance für die Löwen erstmals auf zwei Tore davonzuziehen. Doch gefehlt. Von den ersten fünf Angriffen der Gelbhemden parierte Niklas Landin vier, während die THW-Offensive plötzlich eiskalt jede Lücke in der Löwen-Abwehr nutzte. Obwohl Andy Schmid nach dem 12:16 mit einem tollen Abwehrsprung einen Wurf der Kieler auf das leere Löwen-Tor zu einem fünf Tore Rückstand verhinderte, die Unterstützung der Löwen-Fans von den Rängen brachte die Jacobsen-Schützlinge langsam wieder in die Spur, zumal der THW auch nicht frei von Fehlern war und seinen Vorsprung nicht ausbauen konnte. „Am Anfang haben wir uns beide neutralisiert. Unser Knackpunkt waren die ersten drei Minuten der zweiten Halbzeit. Wir lagen dann 4:0 hinten und verschießen drei Freiwürfe und laufen dann dem Rückstand hinterher. Kiel hatte dann das Glück auf seiner Seite. Wir waren heute nicht gut genug und daher war Kiel heute einen Tick besser“, sprach Andy Schmid nach dem Spiel

ScDie Löwen agierten nun mit dem siebten Feldspieler als zweiten Kreisläufer und sorgten so für Bewegung in der Kieler 6:0-Deckung, sodass endlich auch wieder die Rückraumschützen zur Geltung kamen. Es war Mads Mensah, der mit einem Doppelschlag das Resultat auf 19:20 (45.) verkürzte und die Löwen wieder auf Schlagdistanz heranbrachte. Zum Umschwung sollte es aber nicht reichen, denn die Kieler gaben sich mit konzentrierten Angriffen keine Blöße mehr. Als Jannik Kohlbacher sechs Minuten vor dem Ende zum 22:24 einwarf, keimte im Löwen-Lager noch einmal Hoffnung auf, doch als Zarabec erneut ein Eins-gegen-Eins-Duell für sich entschied und das 22:25 markierte, jubelte bereits die Kieler Bank und die kleine Schar der THW-Anhänger in der SAP Arena. „Wir haben ein Spitzenspiel auf hohem Niveau gesehen. Trotz der Paraden von Andreas Palicka sind 27 Gegentore zu viel für unsere Defensive“, befand Oliver Roggisch nach dem Schlusspfiff. Eine besondere Partie war das heutige Spiel für die Kieler Hendrik Pekeler und Harald Reinkind, die beide vor der Saison von den Löwen an die Förde gewechselt waren. „Ich bin unfassbar stolz auf unsere Mannschaft. Wir haben eine gute Abwehr hingestellt und deswegen bin ich unheimlich froh, dass wir das Spiel gewinnen konnten. Ich kenne die Stärken und Schwächen der Löwen sehr gut und deshalb wusste ich, wie ich zu verteidigen habe. Das habe ich versucht meinen Leuten mitzugeben“, sagte Hendrik Pekeler, während der sechsfache Torschütze Harald Reinkind an alter Wirkungsstätte sagte: „Es war ein besonderes Spiel heute und ich bin sehr glücklich, dass wir heute die Punkte mit nach Kiel nehmen. Es war ein besonderes Spiel für mich, weil alle alten Mannschaftskameraden und Freunde von mir auf der anderen Seite standen. Ich finde, wir standen gut in der Abwehr und hatten einen guten Torhüter und das war das Entscheidende.“

Für die Löwen geht es nun darum, „schnell die hängenden Köpfe wieder hochzubekommen.“ (O-Ton Nikolaj Jacobsen) Bereits am kommenden Dienstag treffen die Löwen im Achtelfinale des DHB-Pokal auswärts auf den Bundesligaaufsteiger Bergischer HC. Die Mannschaft des ehemaligen Löwen Rafael Baena hat bisher kein Heimspiel in der Liga verloren und steht in der Tabelle als Aufsteiger sensationell auf dem vierten Tabellenplatz. „Natürlich wollen wir versuchen in Solingen den Sprung in die nächste Pokalrunde zu schaffen. Das wird aber eine richtig schwere Aufgabe und im Vergleich zu heute müssen wir uns steigern“, so Nikolaj Jacobsen abschließend. 

Text Rhein-Neckar Löwen // Bilder DG CGRN

Rhein-Neckar Löwen – THW Kiel 24:27 (12:11)

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka; Schmid (6), Lipovina, Sigurdsson (5), Radivojevic, Tollbring, Abutovic, Mensah (2), Fäth (2), Groetzki (1), Taleski, Guardiola, Petersson (2), Nielsen, Kohlbacher (6)

THW Kiel: Landin, Wolff; Duvnjak (3), Reinkind (6), M. Landin (3/1), Firnhaber, Kristjansson, Wiencek (2), Ekberg (5/3), Rahmel, Damke, Zarabec (5), Bilyk (2), Pekeler (1), Nilsson

Trainer: Nikolaj Jacobsen – Alfred Gislason

Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies

Zuschauer: 12.504

Zeitstrafen: 3 – 3

Siebenmeter: 2/0 – 6/4

Rhein-Neckar Löwen: Schmid und Sigurdsson werfen über das Tor

THW Kiel: Ekberg scheitert zweimal an Palicka

Strafminuten: Abutovic (2), Nielsen (2), Kohlbacher (2) – M. Landin (2), Wiencek (4),

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